„Mundart macht Schule“

 

i hob in meina toschn

a heft und a floschn

a heft und a buach

und ned des wos i suach

(David Karlsböck, 2. Kl.)

Diesen herzhaften Vierzeiler dichtete David, ein Schüler aus der 2. Klasse der NMS Vorderweißenbach,
bereits nach der ersten Stunde des Projekts „Mundart macht Schule“.

Ich freue mich über die spontane Kreativität der Kinder und bin begeistert und voll des Lobes über diese Schüler und deren engagierte Lehrer.

Das Interesse und die Neugierde waren von Anfang an zu spüren und ich erklärte den Kindern einige einfache Kniffe, wie spannend es ist, im Handumdrehen einen Vierzeiler oder ein Gstanzl zu schreiben. Zudem konnte der Musiklehrer und Volksbildner Toni Pichler gewonnen werden, das Vorhaben musikalisch zu begleiten, damit die Schüler nicht nur zum Texten, sondern auch zum Singen der eigenen Lieder animiert werden.

3. Klasse, Irmgard Fuchs-Eisner

 

Der Direktor der NMS Vorderweißenbach, Josef Beneder, antwortete auf die Frage, weshalb er das Engagement des Stelzhamerbundes unterstützt und fördert: Ich bin überzeugt, dass unseren Schülern schon in jungen Jahren unsere Mundart und unsere echte Volksmusik schmackhaft gemacht werden muss, damit sie unsere bodenständige Kultur ins Erwachsenwerden mitnehmen und weiter pflegen. Mir gefällt es, wie ihr zwei Referenten die Kinder dafür begeistern könnt und dieses alte Wissen spielerisch vermittelt.

Es gelingt euch schier mühelos, durch eine verblüffend einfache Neuinterpretation von alten Volksliedern, ihren zum Teil nicht mehr zeitgemäßen Texten frisches Leben einzuhauchen. Dadurch gewinnen sie an Aktualität und die Attraktivität und gehen nicht verloren.

Das Spielen mit der Muttersprache Mundart zeigt eines ganz deutlich: Weil sie die erste erlernte Kommunikation bedeutet, ist sie emotional und intuitiv der Wahrnehmung am nächsten. Die Schulsprache, oder Hochsprache, ist bei fast allen Kindern nicht die eigentliche Muttersprache und wird erst im Schulunterricht trainiert und gefestigt. Somit wachsen die meisten Kinder „zweisprachig“ auf. Das hat zur Folge, dass diese Kinder automatisch einen größeren Wortschatz besitzen als jene Kinder, welche im Elternhaus „schön sprechen“ lernen müssen, dabei aber nur eine Sprache vermittelt bekommen. Bereits Goethe hat erkannt: „Mundart ist die Sprache des Herzens“.

Auch die Deutsch-Lehrerin Elisabeth Seiberl, die das Projekt seitens der Schule betreut, ist vom Konzept begeistert und meint: Ich halte es für eine wichtige Pflicht eines Lehrers, die Traditionen, die in einer Gegend (noch) vorhanden sind, zu pflegen und weiterzugeben. Dazu gehört auch die Mundart, die oft klarer und detaillierter auszudrücken vermag, was gemeint ist, als es der Standardsprache gelingt. Mit Mundart neben ihrer Funktion als tägliches Verständigungsmittel können die Schüler auch kreativ umgehen: Gedichte und Gstanzln schreiben, ohne dass Fehler eine Rolle spielen (herrlich für die meisten Schüler!); Rhythmus spüren und paschen; alten, in dieser Generation vielleicht schon unbekannten Ausdrücken nachgehen; den Klang der Sprache erleben… Wir freuen uns, dass gerade unsere Schule in den Genuss dieses Projektes kommen darf!

Mei hobby is fuaßboi

des gfreit mi so fü

i schias so fü tore

mia gwingan jeds schpü

(Winkler Dominik, 4. Kl)

So wollen wir gemeinsam versuchen, originelle Gedichte, Vierzeiler und Gstanzln zu schreiben. Wir werden unterschiedlich singbare Versformen erarbeiten und ausprobieren. Und ich bin jetzt schon überzeugt, dass wir genug Material anhäufen, um im September beim Fest der Volkskultur in Oberwang damit auftreten zu können. Aber noch wichtiger ist die Freude am kreativen Umgang mit Mundart und Volksmusik und deren lustvolles Erleben mit allen Sinnen. Und besonders reizvoll ist es zu wissen: „Es gibt keine Rechtschreibfehler“.

Neugierig geworden? Kontakt: Joschi Anzinger, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Foto: Irmgard Fuchs-Eisner

 

Da fischa duat fischn,

da maura duat maun,

da fischa kimmt mit nix hoam,

da maura kimmd mit´n schwips hoam.

(Schöftner Jan, 4.)

 

jetzt san ma boi ferti

in da schui hamma kaum

dann kemmam ma wieder

im Altersheim zaum.

(Wolkerstorfer Laura, 4.)

 

In da schui sitzn mia

von da fria bis auf d´spat

von da spat bis in d´fria

jo do lernan hoid mia.

(Keplinger Annika, 4.)

 

Ban fensta schaumma aussi

de schtund gfreit uns ned

da lehra kennt goar nix

und gibt uns an fleck.

(Gartner Daniel,4.)

 

i kan hoid ned dichtn

des is ma koa freid

i schreib liaba gschichtn

do griangs glei an neid.

(Tanja, 3.a)