wocha daön

gedanken zur zeitlosigkeit

 

diese seite wird immer mittwochs in unregelmäßigen intervallen aktualisiert. ich wünsche euch viel freude, entspannung und hingabe, um die texte zu genießen.

mögen sie euch frieden und gelassenheit, ruhe, erholung und muße bringen!

 

 

Eine Geschichte über die Liebe

Es war einmal ein kleines Häuschen, und in dem Häuschen lebte eine Familie mit ihren Kindern. Ach ja, einen Hund hatten sie auch. Das Haus war umgeben von einem großen Garten in dem in der warmen Jahreszeit alles grünte und blühte. Die Bewohner des Hauses liebten blühende Pflanzen sehr.

Die Frau, der der Garten gehörte, hatte nämlich grüne Hände. Sie konnte mit Blumen und Sträuchern umgehen wie keine Andere. Sie liebte alles Grünende und Blühende. Egal ob es Rosen oder Margeriten waren. Ob es Iris, Lilien, Jasmin waren, oder die Weigelia, der Phlox, die Azaleen, Tulpen, der Lavendel, die Fetthenne oder der Bittersüße Nachtschatten. Sie pflegte alle mit der gleichen Hingabe, und die Blumen und Stauden dankten es ihr mit einer von Jahr zu Jahr üppigeren Blütenpracht.

Den Garten umgrenzte ein Lattenzaun. Beim Lattenzaun steckte in einem der Zaunpfosten, wo die einzelnen Felder der Umzäunung angeschraubt waren, ein Nagel. Er saß bis zur Hälfte im Holz. Der Schöpfer des Zaunes hatte ihn als Schnurhalter für die Richtschnur bei der Aufstellung hineingeschlagen, und, wie es so ist, dann dort vergessen.

Der Nagel war aber darüber überhaupt nicht traurig. Es ging ihm nicht schlecht und er war zwischen Schafgarbe, Knöterich, Sonnenbraut, Vergißmeinnicht, Ginster und Rosen in bester Gesellschaft. Er brauchte nicht unentwegt irgendwelche Teile zusammenhalten, sondern konnte, außer daß er im Pfosten saß, wachen oder schlafen. Eben einfach tun und lassen, was immer er wollte.

So kam es, daß sich der Nagel nach einer Gesellschaft umsah, die seinem Element entsprach. Er fand diese Ansprache bei einer Schraube, die zusammen mit ihrer Mutter ein Feld des Zaunes am Eckpfosten festhielt. Am Anfang sprachen die Schraube und der Nagel nur über den Garten und über das Wetter, doch schon sehr bald verliebte sich der Nagel in die Schraube, die sehr hübsch war mit ihrem messingblonden Kopf.

Eines Tages gab er sich einen Ruck, denn er war ein gerader Nagel, und sagte zur Schraube, ob sie ihn nicht heiraten möchte. Da antwortete die Schraube, sie müsse zuerst ihre Mutter fragen. Sie frug die Mutter, welche auf ihr saß. Sie hatte freilich nichts dagegen, sondern antwortete der Schraube:

"Lieber nimmst du einen geraden Nagel als eine Niete zum Mann".

Die Astlöcher und Brennesseln verspotteten den verliebten Nagel. Sie pflanzten ihn und meinten, ein Nagel und eine Schraube, das könne doch nicht gutgehen. Ihr paßt doch überhaupt nicht zusammen.

Die Schraube und der Nagel waren in ihrem Glück so selig, daß sie das Gerede einfach überhörten und in der nächsten Vollmondnacht heirateten.

Die Glöckchen der gemeinen Kuhschelle läuteten und der Eckpfeiler, ein knorriger dicker Holzsteher, wünschte ihnen Glück und ein langes Leben.

Als nun nach einiger Zeit die anfängliche Verliebtheit verblaßte, entdeckten die Beiden jeder beim Anderen auch andere Seiten. Es störte sie auf einmal jeweils dieses und jenes beim Anderen, und sie fingen zu nörgeln und zu zanken an. Der Nagel sagte:

"Du bist zu locker. Das gefällt mir nicht". "Aber mir!" antwortete die Angesprochene.

"Du bist seit unserer Hochzeit ein wenig verschraubt!" rief der Nagel wütend.

"Und du, du bist vernagelt, wenn du es genau wissen willst", antwortete die Schraube.

Und aus Wut und Enttäuschung über seinen Egoismus trieb sie es ein wenig bunt. Sie fing mit dem Kabelroller, der neben dem Zaun in der Wiese lag und vor sich hinträumte, zu flirten und zu flunkern an. Die Schraube war plötzlich ganz anders, und sie verdrehte jedem Ding das in ihre Nähe kam, die Augen. Sie sagte zum Kabelroller, was er für einen schönen Stecker habe, und noch vieles andere mehr. Der Nagel schrie eifersüchtig:

"Verrolle dich endlich, du blöder Kabelroller - du hast doch im Garten überhaupt nichts zu suchen".

Der Kabelroller lachte, denn er konnte ja von selber nicht von einem Ort zum anderen gelangen. So kam es fast so weit, daß die Schraube und der Kabelroller miteinander intim wurden.

Nur knapp bevor es dazu kam ereignete sich etwas seltsames. Plötzlich kam ein Mann, schnappte den Kabelroller und brachte ihn, dabei wie eine Drossel über seine schlampigen Kinder schimpfend, in die Garage und warf ihn unsanft in die Werkzeugkiste. Dann fing der Mann den Zaun zu streichen an. Zu diesem Zweck schraubte er beim ersten Feld bei den Schrauben die Muttern ab, hing es aus und legte es auf zwei Schragen. Er schliff und strich es und hing es nach dem Trocknen wieder ein. So verfuhr er nach und nach mit jedem der Felder. Der Schraube wurde mulmig. Der Nagel schrie sie an:

"Das hast du nun von deinem Übermut. Als Strafe wirst du aufgeschraubt und von deiner Mutter und mir getrennt werden. Womöglich sehen wir uns nie mehr wieder, weil du vielleicht gar an einem anderen Ort eine neue Arbeit bekommst. Ach...!" jammerte der Nagel, "...es ist ja alles so traurig".

Und ehe dann die Schraube mitbekam was da eigentlich geschah, war sie auch schon abgeschraubt und landete zusammen mit ihrer Mutter im Hosensack des Mannes. Als jenes Feld gestrichen war, wo die Schraube hingehörte, und wieder eingehängt wurde, fing es zu regnen an und der Mann beeilte sich.

Er schraubte soeben die dritte Mutter an eine Schraube, als die Wolke über ihm richtig brach und es heftig zu regnen begann. Er konnte die vierte und letzte Schraube nicht mehr anschrauben. Geschwind lief er ins Haus und sah vom Trockenen aus, wie am Pflaster die Wasserspatzen hüpften. Er stellte fest, daß es heute mit der Arbeit nichts mehr werden würde, und so zog er seine Arbeitshose aus. Da fiel die Schraube samt ihrer Mutter aus der Hosentasche heraus und landete mit einem hellen Glockenklang auf den gefliesten Boden. Weil es aber so regnete und der Mann die Schraube nicht mehr anschrauben wollte bei diesem Unwetter, legte er sie auf das Regal im Keller.

Nach vier Tagen schlechtem Wetter konnte der Mann wieder draußen Arbeiten und den Zaun fertigstreichen. Jedoch an die Schraube dachte er nicht mehr. Er hatte darauf vergessen, einfach so. Der Nagel fühlte sich sträflich in Stich gelassen und kam ganz außer sich vor Kummer.

"Wo ist meine Frau?" klagte er verzweifelt an.

"Hat jemand meine Frau gesehen?" fragte er unentwegt. Indes, er bekam keine Antwort, niemand wußte wo sie geblieben war.

Schadenfroh feixte ein großes Astloch:

"Gestern habt ihr euch noch gegenseitig eure Schwächen vorgehalten. Du hast bei jeder Gelegenheit auf sie eingenagelt, wieviele Fehler sie nur hätte. Heute ist sie fort und nun jammerst du uns an. Dabei hast du sie selber soweit gebracht, daß sie sich geschraubt hat".

"Jawohl!" riefen alle Astlöcher im Chor, "dir geschieht ganz recht".

"Das ist nicht wahr!" schrie der Nagel und krümmte sich vor Schmerz. Sein Kopf tat ihm weh und er zitterte vor Angst.

"Und ich muß jetzt alleine die ganze Last tragen" jammerte die andere Schraube, und wieder bog sich der Nagel vor Schmerz.

Es tat ihm nun ehrlich leid, daß er unentwegt an seiner Vermählten herumgenörgelt hatte, und er wollte, er könnte dies ungeschehen machen.

"Was gesagt ist, ist gesagt!" erklärte der Eckpfosten.

"Das hättest du dir schon vorher überlegen müssen. Jetzt ist es zu spät. Wenn du willst daß deine Frau zurückkommen soll, dann mußt du geduldig sein und hoffend daran glauben daß es so geschehe. Dann wird alles wieder gut werden".

Der Nagel war von nun an von allen gemieden. Keine Schraube, keine Latte, kein Balken redete mehr etwas mit ihm, nur die kleinen und großen Astlöcher ätzten noch manchmal über seinen Hochmut. Doch als sie merkten, daß sich der Nagel darüber nicht mehr ärgerte, sondern nur mehr teilnahmslos im Holz saß, hörten sie auf, ihn mit ihren Späßen zu provozieren. Der Nagel war schon ganz krumm vor lauter Traurigkeit. Noch nie hatte sein eisernes Herz solches Leid verspürt.

Verbittert auf sich selbst und die Welt, die in seinen Augen ungerecht sei, stand er da. Er sah wirklich zum Erbarmen aus, und wäre nicht ein glücklicher Zufall, eine himmlische Fügung, eingetreten, er wäre vor Schmerz schon längst verrostet.

Eines Tages, im Herbst, draußen war es schon nebelig und feucht, stieg der Mann in den Keller um auf den Regalen und Stellagen ein wenig Ordnung zu machen. Der Garten ruhte schon. Nur einige Astern und Chrysanthemen blühten noch trotzig entlang des Zaunes, aber auch ihre Tage, der Mann wußte es, waren längst gezählt.

Beim Abstauben, Ordnen und Umschlichen der Werkzeuge und Gerätschaften, fiel ihm eine einzelne Schraube mit einer Mutter auf, die völlig unpassend zwischen Tontöpfen, Bindedraht und Vogelfutter lag. Er wollte sie schon in die Kiste zu den anderen Schrauben und Nägeln werfen, doch dann hielt er inne und dachte. He...! diese Schraube kenne ich doch. Wenn mich nicht alles täuscht, gehört dieses kleine Ding zum Zaun? Wie kommt den das hier herein in den Keller. Der Mann nahm einen Gabelschlüssel, die Mutter und die ,Schraube und ging hinaus zum Zaun, um zu kontrollieren, ob er sich das nun nur einbilde oder nicht.

Tatsächlich, nach einigem Suchen entdeckte er das leere Loch, in welches anscheinend wirklich diese Schraube gehörte. Er schraubte die Schraube an, zog sie fest, schüttelte noch einmal verwundert den Kopf und ging dann wieder in den Keller zu seiner momentanen Tätigkeit.

"Die lockere Schraube ist wieder da!" riefen die Zaunpfosten und die Astlöcher.

Der Nagel, er war schon sehr rostig und schäbig, glaubte zu Träumen, als er das hörte. Müde sah er um sich und rief dann:

"Ist es wirklich wahr! Mein Schräubchen, mein Täubchen ist wieder zu mir zurückgekommen. Und wie schön du bist!" rief der Nagel vor lauter Freude.

Sie glänzte über ihr ganzes Gesicht, strich sich über ihre Windungen und Rundungen und meinte nur:

"Es war schrecklich all die Zeit im Keller ohne dich. Ehrlich. Langweilig, muffig und staubig, echt ungemütlich war es dort, in der Nachbarschaft von Beißzangen, Drahtbürste, Heckenschere und allerlei Feilen und Raspeln. Allerdings, wie du siehst: Aufrichtige Liebe rostet auch nach Jahren nicht!"

©joschi anzinger, 2017

 

so ein nonsens

verdaustig wars und glasse wieben / rotterten gorkicht im gemank / gar elump war der pluckerwank / und all die gabben schweißel frieben (aus „Alice im Land hinter den Spiegeln“ deutsch v. Christian Enzensberger)

liebe leserschaft! ein teil von euch wird sich jetzt vielleicht denken, was soll der schwachsinn? das ist doch keine verständliche sprache und schon gar kein richtiges deutsch. wie sollen da unsere kinder diese sprache begreifen, erfassen und erlernen können, wenn sie in ihren lehrbüchern womöglich diesen unfug finden? wie sollen sie sich korrekt auszudrücken lernen, geschweige denn zu denken und zu verstehen lernen, wenn sie solche geschichten als vorbild bekommen?

ein anderer teil wird sich vielleicht denken, das klingt ja wunderbar und macht neugierig auf mehr. endlich einmal weg von der banalität und vom kirchturm-denken, weg vom staub der jahrhunderte hin zur kreativität. fabulieren, träumen, mit sprache experimentiern, das ist das was kinder brauchen, um sich später einmal selber so gekonnt und einzigartig ausdrücken zu können.

christian enzensberger, der jüngere bruder von hans magnus enzensberger, übersetzte 1974, in dem jahr als ich die pflichtschule verließ, die phantastischen geschichten von lewis carroll „alice im wunderland“ und „alice im land hinter den spiegeln“. diese bücher fielen auch mir zufällig in "meiner" bücherei in die hände und ich verschlang sie gierig. menschen mit schwächelnder phantasie bezeichnen diese werke heute noch als „nonsense-literatur“, (dietrich schwanitz - alles was man wissen muss) was natürlich ein voreiliger trugschluss ist.

ich finde dieses gedicht phantastisch, ja genial. ebenso ist „die unendliche geschichte“ michael endes faszinierend, weil sie bergen schier unermessliche kreativität und vitalität und so schreiben zu vermögen, dass ist ganz grosse kunst. lewis carroll, ein englischer autor verfasste 1862 „alice im wunderland“ und die geschichte erschien 1865 als kinderbuch. ebenso das nachfolge-werk „alice, im land hinter den spiegeln“ aus dessen text besagtes gedicht stammt.

es umfängt einem in sprachlichen wellen, die beim lesen ab der ersten zeile unentwegt an unsere phantasie anbranden. satz um satz, zeile um zeile und vers um vers wogen sie durch das gehirn um sich bis in die entlegensten regionen des unterbewusstseins fortzupflanzen und auszuebnen, um in ungeahnten tiefen der seele imaginäre bilder auferstehen zu lassen. du denkst dir nur, es ist ver-rückt, sich so eine sprache auszudenken und zu sprechen. und schon versuchst du insgeheim zu ergründen, was mit wörtern wie fliegelflagel oder dudelbaum, mit ritscheropf oder wichernd gemeint sein könnte.

und deine synapsen beginnen zu feuern, bis dich ein schier schwereloses gefühl umfängt und du merkst anfangs garnicht, dass du derweil in die welt der phantasie und der schöpferkraft eingedrungen bist. bei diesem gedicht wird uns so wunderbar spielerisch demonstriert, wie einfach und zugleich vielschichtig sprache, kreativität und phantasie sein können, wenn man sie sein lässt, was sie ist. ein produkt unseres denkens und empfindens, ohne vorschriften und dogmen, regeln und schulmeinungen.

so eine geschichte, so ein gedicht ist ja mehr als eine träumerei oder ein vor-sich-hin-spinnen eines phantasten. so eine geschichte wie „alice im land hinter den spiegeln“ ist doch ein weckruf an den geist der kreativität, sich von der realen welt mit ihren zwängen und grenzen, pflichten und bestimmungen nicht erdrücken zu lassen. freilich ist es von vorteil, einen fuß im türspalt zur realität zu lassen, um die bodenhaftung nicht ganz zu verlieren.

aber die gedanken sind frei, heißt es in einem lied. deine gedanken gehören dir ganz alleine und meine gehören mir. manchmal trifft es der zufall oder die vorsehung, dass zwei menschen die gleichen gedanken oder vorstellungen haben, sie ähneln sich manchmal wie zwillinge, aber es sind nie dieselben gedanken, sondern in der individualität des einzelnen einzigartig.

also lasse deine gedanken fliegen. lasse sie hinaus in die unendlichen weiten des traumes und der imagination. wie einst odin in der nordischen mythologie seine beiden raben hugin und mugin jeden morgen mit dem auftrag in die welt hinaus entließ, sie mögen bei einbruch der dunkelheit wieder zurück sein, um ihm von den vorgängen da draussen in der weiten welt bericht zu erstatten.

es gibt ja unendlich viele welten, denn jeder mensch für sich ist eine eigene welt. ein eigenes universum an träumen und gefühlen, wünschen, ängsten und assoziationen. jeder mensch lebt daher auch in seiner welt und verhält sich ihren gesetzen gemäß, um in ihr zu bestehen, damit ihm sein glück hold ist und das wahr werden möge, wovon er träumt. lebe und fürchte dich nicht, heißt es in einer anderen volksweisheit. denn schon bei hiob steht: „...was ich am meisten gefürchtet habe, ist über mich gekommen...“ es ist wie die sich selbst erfüllende prophezeiung. denn jeder ist seines glückes schmied, lehrt uns sogleich das nächste kluge sprichwort und da schließt sich der kreis. feuer und eis, freude und leid, glück und gesundheit sind in uns allgegenwärtig und wessen brot wir essen, dessen lied müssen wir singen. wessen musik wir hören, dessen tanz müssen wir tanzen und auf wessen wegen wir gehen, zu deren zielen werden wir gelangen. unweigerlich.

dazu passt eine kleine geschichte. ich habe sie in den unendlichen weiten im netz gefunden, ohne angabe eines autors oder urhebers. und weil ich sie nicht mehr finden kann, diese wunderbare geschichte, so erzähle ich sie nach, denn diese geschichte ist so glasklar einfach und doch wieder nicht. mag sich jeder mensch denken, was er will, aber ich finde diese gedanken so rein und erhaben, da sie sich gut in diese thematik einfügen.

eine familie hatte ein kind und vater und mutter liebten ihr kind aus ganzem herzen. das kind lernte laufen und sprechen, singen und malen, rechnen und denken und entwickelte sich seinem alter gemäß kindgerecht und seine eltern waren sehr stolz auf es. dann geschah eine seltsame veränderung mit dem kind und niemand konnte sich erklären, wie es über nacht dazu kommen konnte.

eines morgens, das mädchen putzte sich brav im badezimmer ihre zähne, da bemerkte die mutter am rücken des kindes unter dem hemdchen zwei kleine erhöhungen. sie waren noch ganz klein und zart, eher kleinen knospen ähnlich und sie frug das mädchen, ob das weh täte. es sagte, sie spüre nichts, sie merke nicht einmal, dass es da am rücken bei den schulterblättern zwei beulen hätte.

nächsten tag waren die knospen größer und nach einigen tagen entstanden daraus zwei kleine flügeln, zart und durchsichtig, ganz fein wie spinnweben, aber stark und elastisch. die mutter erschrak abermals und beriet sich mit dem vater. der meinte pragmatisch, wenn das kind schliefe, würde er ihr die flügelartigen durchsichtigen hautlappen einfach abschneiden, denn wenn sie die flügeln so nicht spürt, wird sie beim abschneiden auch keinen schmerz empfinden.

der vater schnitt seinem schlafenden kind die flügeln ab und das mädchen erwachte nicht einmal bei diesem tun. aber bis zum zähneputzen am morgen waren die kleinen flügelchen wieder nachgewachsen. sie waren sogar ein bisschen größer als noch gestern. da suchten sie einen arzt auf. dieser besah sich die situation und meinte, da müsse man tiefer operieren, doch das mädchen wehrte und sträubte sich gegen eine operation, zumal sie die flügeln nicht spürte und sie es beim lernen und spielen, beim schlafen und beten nicht störten.

da schritt des nachts abermals der vater zur tat und schnitt die flügelchen des kindes ab. das mädchen hatte wieder keinen schmerz verspürt, aber bis am morgen beim zähneputzen waren die flügeln wieder nachgewachsen und sie waren wiederum ein wenig kräftiger geworden, so dass sie schier nicht mehr unter der bluse zu verbergen waren. das mädchen flatterte mit seinen flügeln herum und hatte ihre freude dabei. die eltern waren verzweifelt und vertrauten sich in ihrer not einer pristerin an.

die weise frau hörte sich die geschichte an und lächelte mild. dann strich sie dem mädchen über die stirn und wandte sich dann freundlich den verängstigten und ratlosen eltern zu. euer kind, sagte sie zu ihnen, ist weder krank oder fehlgebildet. es ist völlig gesund und normal in seiner entwicklung und es gibt keinen grund, besorgt zu sein“. „aber die flügeln!“ riefen die eltern ratlos. „diese schrecklichen flügeln. unser kind ist doch kein vogel, oder ein insekt!“

abermals lächelte die weise alte frau und sprach: „ihr habt alle verlernt, zu wissen oder zu spüren, dass jedem menschen einmal im leben flügeln wachsen, um sich über sich selbst zu erheben. die meisten menschen bemerken ihre flügeln garnicht und sie stören auch niemanden. manche menschen bekommen ihre flügeln erst wenn sie erwachsen sind. viele menschen verlieren ihre flügeln von selbst wieder, oder sie haben nie welche bekommen. auch das gibt es manchmal, aber ebenso ist flügeln zu haben, ganz normal.

die meisten menschen, so wie auch eure tochter, bekommen ihre flügeln bereits im kindesalter. lasst eurem kind seine flügeln und freut euch mit ihm, denn es sind die flügeln der phantasie“. die braucht es, wie die luft zum atmen. lernt ihm lieber damit das fliegen!

und nun das besagte gedicht von louis carroll, über welches ich am anfang dieser erzählung berichtet habe. ich möchte euch diesen wunderbaren text natürlich nicht vorenthalten, sondern ihr könnt jetzt gleich und sofort ausprobieren, ob eure flügeln noch was taugen.

 

der zipferlak

verdaustig wars und glasse wieben, rotterten gorkicht im gemank
gar elump war der pluckerwank und feine gabben schweisel frieben.

hab acht vorm zipferlak, mein kind! sein maul ist beiß, sein griff ist bohr -
vorm fliegelflagel sieh dich vor, dem mampfend schnatterrind

er zückt sein scharfgebifftes schwert, den feind zu futzen ohne saum,
und lehnte sich zum dudelbaum und stand da lang in sich gekehrt

in sich gekeimt, so stand er da, so kam verschnoff der zipferlak
mit flammenlefze angewackt und gurgt in seiner gier

mit eins und zwei und bis aufs bein, die biffe klinge ritscheropf -
trennt er vom hals den toten kopf und wichernd sprengt er heim

vom zipferlak hast uns befreit - komm an mein herz, aromer sohn
oh blumer tag - oh schlusse fron - so kröpfte er vor freud'

verdaustig wars und glasse wieben, rotterten gorkicht im gemank
gar elump war der pluckerwank und sanfte gabben schweisel frieben

©joschi anzinger, 2016

 

Was bin ich

Ein Arzt ist nur dann ein Arzt wenn er heilt. Ein Wahrsager ist nur dann ein Wahrsager wenn er Wahres sagt. Ein Maler ist nur dann ein Maler wenn er malt. Ein Maurer ist nur dann ein Maurer wenn er maurert. Ein Fußballspieler ist nur dann ein Fußballspieler wenn er das Leder tritt. Ein Lehrer ist nur dann ein Lehrer wenn er lehrt. Ein Künstler ist nur dann ein Künstler wenn er einzigartig ist. Ein Säufer ist nur dann ein Säufer wenn er säuft. Ein Jäger ist nur dann ein Jäger wenn er jagt. Ein Räuber ist nur dann ein Räuber wenn er räubert. Ein Mörder ist nur dann ein Mörder wenn er mordet. Ein Koch ist nur dann ein Koch wenn er kocht. Ein Klugscheißer ist nur dann ein Klugscheißer wenn er Kluges von sich gibt. Ein Bauer ist nur dann ein Bauer wenn er säht und erntet. Ein Mime ist nur dann ein Mime wenn er jemand mimt. Ein Lügner ist nur dann ein Lügner wenn er lügt. Ein Narr ist nur dann ein Narr wenn er närrisch ist. Ein Kind ist nur dann ein Kind wenn es kindisch ist. Ein Schwein bin ich dann wenn ich schweinigle. Ein Nörgler bin ich nur wenn ich nörgle. Ein Kotzbrocken bin ich nicht nur wenn ich kotze. Ein Angeber bin ich dann wenn ich angebe. Ein Arbeiter bin ich nur dann wenn ich arbeite. Ein Dichter bin ich nur dann wenn ich dichte. Ein Mensch bin ich bloß, wenn ich menschle. Ein Schauspieler bin ich dann wenn ich mich verstelle. Ein Weiser bin ich, wenn ich mich so gebe wie ich bin.

©joschi, märz 2015

 

da tog is loung

d leit redn so fü, wia da tog loung is, hod mei vodda efdda xogdd und i hou loung brauchdd, um z vaschdeh, wos mei oida hear domois gmoand hod. und woun i mi heid in mein umfäd umschau und a bissl genaua hiehoach, so vaschdeh i endli, wos mei vodda gmoand hod. dea reed a nedda, dass maö a oawad hod, des woa a so a treffende weisheid va eam, und i deng ma heid efdda, wia rechdd dasa ghod hod, mei eazeuga.

dea soid sei maö hoidn ba redn, hod mei oawadskolleg, da bebbi, oiwaö gmoand, woun oana rechdd ougebm hod, wosa ned fia a reissa is. oda ea hod gschbodd, dea duad a liawa sein dochbodn unddakällan, ois das a ba da woarad bleiwad, und i hob ma dengdd, da bebbi hod de weisheit af da zung und vaschdehd, wia ma de gschichddn neichi nam gibdd.

i wah a gean so a redsäligs leit, owa i bins leida ned. mia foid des richddige za da rechddn zeit nia ei, sondan hexddns des foische za da richddign zeit. do is nix zan mocha, waö woun mi wea bled oured oda glaubt, ea kou mi aus da reserve logga, des gehd ned. des duad ned. so ofdd hob i ma schou gwunschn, i mechad des kinna, mei gegniwa amoi so richddi in grund und bodn redn, oda eam iwas maö foan, das eam de schbugge wegbleibdd. owa des is de oide gschichdd: wos ma hod und kou, des is säbbfaschdendli. nedda des wos oundari houm und ma säwa ned, des reizdd und is z wegn dem begehrenswert.

gounz wos oundas iss ban schreibm. ban schreibm do rennan de gedanga dahie und es dounzzn de büda in mein kopf an reign, das i mi efdda frei ned dawehan mog. kam foung i zan schreibm ou, gschiachdd a sädsoumi woundlung mid mia und mei kopf is voi mid büda und xichdda, gschichddn und nam, gruch und gschbia. woun i so ban schreibm bi, und wia en ofm des hoiz, meini gedanga guad brennan, doun bi i gounz ba mia und i vagiss iawandd des gschbü rund um mi uma. do mogs schou leichdd oukemma, das i oamoi af d ua schau und s nexddi moi wieda, do iss afamoi iwa a schdund schbeda. und ma moand goaned, wos ma ausrichdd und weidabringd, woun oan des gschengg gebm is, oile tog a zwoa-drei schdund, ois woundara, iwa sei eigani gedounggnwiesn geh z deaffm.

oiss gibdds do zan finddn und zan enddeggn. do blian de gloggnbluman da hoffnung und de magariten da treue. danebm scheind des zwieliachdd da sä und de samwege da woaheid hand schdaö und schdoani, vafluachdd und vawunschn. owa in da kuchl des lebms brennd a des feia da liab und af de fäda van schiggsoi woxn de tram und de gschichddn, des wert hand, das mas aufschreibdd, damids ned van schduam da zeit vawahd wean. und schou ruafdd di va da weidn da tron des hochmuads und seisld dia fia, du wahsd wos bessas. owa i los mi ned deischn und suach ma gliggli mein weg. fraöli varenn i mia iawandd und i muas an fremddn frogn, wo i bi und i griag iawandd a foische auskunft. owa da weg da woaheid, den gschbiad ma sowiaso eiwendi drinn in oaman und de bam da vasuachung kennd ma mid sein eiwendign aug deiddli va de oundan bam vanound.

so moch i ma oi tog za an fest und schreib mi duach mei lebm. mia is ned load um de zeit, waö ob i wos dua, oda ob i nedda bled ban fensdda aussi schau; de zeit vagehd so oda so und kimmd nimma zrugg. loungmechddi hand de tage, va da fria bis in d nochdd eini und de zeit vafliagdd nedda ban schloffm. wos leanan ma draus: a jeda mensch muas des doa, za den ea se beruaffm fühd. za dens eam hieziagdd, waö va doadd a loggruaf kimd. fraöli is oiss en woxn und oiss muas zeaschdd amoi kloa oufounga, waö koa gleanda is van hümmö gfoin, hoassds oigemein. owa wos woxn wü, soi ma woxn lossn, nedda s unkraut ghead ausgrissn. owa des dafia gründlich, waö des woxdd va eam säm.

©joschi, dezember 2013

 

bekanntschaften

es geht uns mit büchern wie mit den menschen. wir machen zwar viele bekanntschaften, aber nur wenige werden zu freunden. (ludwig feuerbach)

gedacht wird viel, von uns menschen. erdacht, angedacht, nachgedacht und vorausgedacht, überdacht und bedacht und viele gedanken finden auch ihren weg in ein buch. sie werden festgehalten, konserviert; für den autor selber und für die nachwelt. aber in unserer zeit gibt es ja fast kein vordenken mehr. das meiste wurde schon vor uns gedacht und wir können das vor-gedachte nur mehr nach-denken, also dem pfad der gedanken folgen, seinen verlauf nach-denken und darüber sinnieren, wie die oder der vor-denker zu ihrer zeit gedacht haben. und in diesem nachdenken, über das nach-denken kann mit einem mal wieder etwas neues entstehen und der baum der phantasie treibt eine neue knospe aus, oder er bildet in der krone der gegenwart sogar ein neues blatt, mit einer geschichte; mit meiner geschichte. ob die geschichte gut ist, oder das gedicht mittelmäßig, oder das essay geistlos und fad, vermag ich als schöpfer derselben, nur bedingt beurteilen. die menschliche umwelt, sollte es einmal mit dieser in berührung kommen, reagiert oft unberechenbar und ist nur schwer einzuschätzen. sie ist wie ein trotziges kind, weil was dem einen gefällt, mißfällt garantiert dem nächsten. als trost hilft vielleicht eine alte redewendung unserer altvorderen: jedem menschen recht getan, ist eine kunst die niemand kann.

gesagt wird auch viel von uns menschen. eingesagt, vorgesagt, vorausgesagt, abgesagt, dahergesagt und zugesagt, nachgesagt und versagt, aber der gutteil des gesagten ist bis zum ende des tages nichts weiter als ausgeatmeter stickstoff. schalte das radio ein und es wird in den meisten programmen so viel geredet und gesagt, dass es dir schon nach kurzer zeit bei den ohren heraushängt. dasselbe gilt für das fernsehen, obwohl hundert kanäle zur auswahl, ist es zumeist unerträglich, all den stumpfsinn zu verkraften und es hilft nur der rettende not-aus taster. wem wunderts, was sollen sie uns denn dauernd neues erzählen, ohne sich zu wiederholen, oder vor-gesagtes nachzuplappern? und sendezeit ist werbezeit und diese bringt geld. so tut die werbung noch den rest dazu und es prasseln salven von stumpfsinn auf uns hernieder, dass einem nur das abschalten vor der totalen verblödung rettet. es ist mir zeit meines lebens schleierhaft, wie jemand pausenlos reden muß und auch reden kann. bei so viel gerde muß ja das denken zu kurz kommen. wenn das gesagte sinnvoll ist und einen nutzen bringt, weil es der information über ein außergewöhnliches geschehen dient, so ist das auf alle fälle notwendig und mit sicherheit lebenswichtig. zum beispiel bei naturkatastrophen, unfällen oder unvorhersehbaren elementarereignissen, aber alles was darüber hinausgeht und zur jagt nach sensationen bläßt, welche im grunde keine sind, ist vergebliche liebesmüh. zum beispiel, weil in einer adeligen familie ein kind geboren wird und weil dieses kind aus königlichem haus ist, wird daraus eine sensation gemacht, um die mediale quote zu heben. bei kohelet steht geschrieben, das ist windhauch und nichts als windhauch, und meint damit die vergänglichkeit unserer fassaden, die uns das unausweichlichen ende fernhalten sollen.

geschrieben wird viel von uns menschen. aber ist das geschriebene auch richtig und mit den gesetzten der logik nachvollziehbar? ist es interessant und macht es neugierig auf das weiterlesen, oder ist es wie, sehr viele geschichten und gedichte, eine banal anmutende sprachliche allerweltswiese, ohne seltene wortblumen und üppigem sinngras? der reine gedanke strahlt wie die sonne, sagt arno schmidt. seine seele ist der inhalt und sein körper ist die wahrheit. soweit das zitat. doch bis es so weit ist, wenn es überhaupt jemals so weit kommt, dass einem ein reiner gedanke findet, dazu bedarf es viel geduld, ausdauer, demut und sitzfleisch. nur, wenn es soweit ist, dann brennen nicht nur die gedanken. dann zünden die ideen im feuer der synapsen und du bist die flamme, nicht die kerze. es gehört jedoch zu den ganz raren erlebnissen, einen reinen und klaren gedanken einzufangen und gleich auf den literarischen webstuhl weiterverarbeiten, um ihn zu papier zu bringen, damit er nicht vorher wieder verglüht, erlöscht und sich in den unendlichen weiten des vergessens auflöst. dieses erlebnis des brennens, des aufleuchtens und plötzlich in flammen stehen, ist öfters so intensiv, dass dir schier die sinne dabei schwinden. es ist ein intensives erlebnis des erdenseins und die zeit ist auf einmal nebensächlich, ja nichtig, geworden.

mit büchern ist es dann wirklich so, wie im richtigen leben mit den mitmenschen. kennengelernt und gelesen haben wir viele exemplare, aber wie feuerbach sagt, zu freunden werden nur wenige. wie viele freunde hat der mensch? die anzahl hält sich bei nüchterner bilanz in grenzen und läßt sich an den fingern abzählen. und bücher die wir mögen, weil sie uns mögen, weil sie uns ratgeber, trösterin, lehrer und wegbereiter wurden, deren anzahl ist zumeist winzig klein. bekannte habe ich viele und jeden tag rennt mir jemand über den weg, mit dem ich ein paar worte schwatze und dann wieder jeder seinen tätigkeiten nachgeht. bücher habe ich schon hunderte gelesen, weil ich lese immer an einem buch. bücher sind meine geistige nahrungsquelle und beim lesen ist es wie mit dem essen. du hast deine liebelingsgerichte, deine durchschnittsmenüs und deine schnellimbisse für den kleinen hunger. die schnellimbisse sind der lesestoff, den ich wahllos beim zahnarzt, im aufenthaltsraum der kantine oder im vorbeigehen zwischendurch finde und verkoste, um derweil auf etwas zu warten. die durchschnittsmenüs sind fachzeitschriften, die tägliche zeitung und bücher, die ich bei freunden vorfinde, um kurz hineinzuschnuppern. es sind auch bücher, die ich mir vornehme zu lesen, anfange, beiseite lege, irgendwann weiterkämpfe, oder nach einiger zeit aufgebe, weil mir ihr inhalt nicht sonderlich mundet.

meine lieblingsgerichte, diese absolut guten und unvergleichlichen, die köstlichen, raffinierten und geistreichen literarischen schmankerln, deren kenne ich gar nicht so wenige, aber wiederum die besten daraus, das sind eben nur fünf bis sieben werke. diese sind mir zu vertrauten und zu ratgebern, kammeraden und gefährten, zu lehrern und beratern geworden. ich koste fast täglich von ihnen und werde mich mein lebtag nicht sattessen an ihrer köstlichen speise. sie sind so anders, diese bücher. sie sind einzigartig in ihrer botschaft und bedeutend für mein literarisches schicksal, weil ich mich in ihnen wieder erkenne, ja sogar wiedergefunden habe. diese bücher haben nicht nur mein leben verändert, sie haben es zu dem gemacht, was es heute ist und was ich heute bin. sie haben mich bereichert, beschenkt, meine sichtweise erweitert und mein denken verbessert. sie haben meine wahrnehmung geschärft und meine sprache geschliffen. sie haben mich nicht belehrt und unterrichtet, nicht geschult und nichts vorexerziert, sondern sie haben mich mein leben zu verstehen gelehrt. sie haben mich es zu lieben und zu ertragen, es zu erkennen und zu meistern, zu bewältigen und zu schätzen gelehrt. sie haben mich neugierig gemacht, es selber mit dem schreiben zu versuchen. und friedrich ch. zauner sagt, schreiben kann man lernen, aber schreiben, darf man ein leben lang nicht aufhören zu lernen.

©joschi, oktober 2013

 

so gengan de gang

„...jedoch der mensch, der stolze mensch/ gekleidet in ein wenig amtsgewalt/ er kennt das wesentliche nicht/ seine wahre seele/ und wie ein wütender affe spielt er solch irre faxen vor dem hohen himmel/ dass selbst die engel weinen/ die mit seinem herz/ sich alle sterblich lachen würden...“ (aus dem drama „maß für maß“ william shakespeare, 1564 – 1616)

oiss suachdd zan liachdd. niada bam, niads bleamö, oiss wos lebdd schdreggdd sei köbbfarl in d hee, um a liachdd z griang. liachdd is lebm, liachdd is wearm, liachdd is d liab, liachdd is a giaddad, und de sunn gibdd uns des oiss. umasunzdd und oafoch so. s liachdd is da ewige schöbbfa va soch und guad, lebm und naddua, lound und meea und essn und tringa. liachdd is woxn und freid und zü und es is ned va ungefeha, das schou de ägypta ois owasddn godd en sonnengodd „re“ ois den oiss umfossaddn herrscha iwa wäd und soch, lebm und vadearbm ouxeng houm. oiss suachdd zan liachdd, damid ma gmua dawischdd va den lebmselexiea, denn ohne liachdd gibdds koan glounz und koan schei, koa fungezzn und gleißn. ohne sunn und liachdd, weam und hizz, gibdds koa woxn und werdn, koa dosei und koan beschdound, koa lebm und koa sei.

und wos mochdd da mensch, des gressdi ungezifa af den planeddn? schdod dasa in friedn mid sein nobban lebdd und se iwa sei erdnsei gfreid und oi tog dounggboa is dafia, das eam de vorsehung zan lebm afgruaffm hod, isa saugrob za sein nexddn. do hüfdd des gounzi jamman und sudan nix, es is a so und es wiad se in deara soch nia wos ändan, waö da mensch is in seina giea dazua vadoummd, ned nedda da umwäd ia gressda feind z sei, sondan va eam säm a. mia han oile midanounda engön und ganggarln, lambbö und woif, frosch und schloungan, tog und nochdd und dädda und obbfa. und ba den oan is des guadi bessa zan dakenna und ba den oundan des schlechddi. i hob in mein lebm schou so ofdd de beobochddung gmochdd, woun siebm leit banound hand so is mindesddns oa judas dabei. schou aloani duach de unddaschiede zwischn jung und oid, zwischen leit va da schdod und leit van lound, zwischn wohlhobend und de wo midn schüwö rennan, enddschdengan riwalidäddn, de fü load und ölend af da wäd auslösn. da oani siagdd se ba den oundan load und de oani eifad af de ounda und so hod des schbü va hobm und sei oiwaö gmua enagie und schwung zan weidadrah und dea goam kimd nia ned zan schdeh, soloungs leit af da wäd gibdd.

und afamoi wiad oana wos, und schdehd iwa de oundan. ea wiad gewählt, und fühd se ois auserwählter. zumindesdd glaubd ea, dass a so is. nou bfiadd mi good scheni gegndd, doun schlogdds iawandd en fassl en bodn aus. dea sewige blosd se auf wia a grobbfada dauwa und schdeigdd umanound und duad ois kearad oiss sei. und nedamoi seini freind kennda nu, so iwahebli duada und glaubdd, eam kou nix und neamdd mea wos beigebm. sei sä hod a eisigs gwoundd ouzogn. a gwoundd, des schdoizz mochdd, und blind fia des wiaggli wichddige en lebm. und de mochdd duad mid eam, wos de mochdd mid de mearan leid duad, de se za ia ins bedd legn. sie mochd an noan aus eana und dea oami schneizza merkd des goaned, das eam sei xichdd schee loungsoum zrinnd und s gegntaö davou fiarakimmd.

so tramd ea mid da mochdd af oan baggl und mochdd ia en liabhowa. de leit beidln de mearan en kobf iwa des gscheng, dass se oana so blenddn lossd und ned dakennd, wos echdd und wos gschbüd, wos wiaggli und wos afxezdd is. wos nedda eischdudiad is, wia a deadda, mid gwinga und valiara. neamdd siagdd de guadn geisdda, de des schbü a seng und denen säwa va laudda wundan iwa so fü gress und iwagscheidheid des locha vagehd und denen zan fleen is, wäö se wissn, wia so a schbü endd. nedda wouns so a koids bluad hedn wia mia menschn, wah eana nu zan locha und se lochaddn iwa eana schdeabm und iwa unsa schdeablichkeit. des is dafia des oanzige, iwa wos de guadn geisdda lochan, waö mia des kloani neichddl, wos ma af da wäd sei deaffm, uns eibüddn, mia han unschdeabli. dawaö han mia nedda a schnaufa en heazschlog da ewikeit.

owa mia menschn woin des ned woahobm, dass a so is und oiss af da wäd a oblaufdaddum hod. des thema hod en fausdd a schou beschefddigdd und ea hod dafia sei sä en teifö vakafdd, damida ned schdebm muas. mia gebm unsari oidn in a oiddasheim, damid ma des oidwean ned mid ouseng miassn, waö mas ned seng woin. mia farbm uns de gauen hoa, mia schneidn uns de foiddn wegg, mia schbrizzn uns de libbm auf und mia moinan uns ou, ois gangs en fosching zan maschgan. mia lossn uns en busn ausschdobbfm und am bauch des fedd ohsaugn, oiss zwegn da ewign jugend. woun des ned fausddisch is, doun hoas i koarl. und de guadn geisdda flennan liawa, iwa den unvaschdound da menschheit, damid se se iwa uns ned schdeabli locha miassn.

©joschi, september 2013

 

das haus der sprache (frei nach dietrich schwanitz)

vor langer zeit hat der mensch das haus der sprache gebaut und weil ein haus zu haben schutz vor vielen bedrohungen bietet, ist er darin eingezogen. er hat es sich darin häuslich eingerichtet und lebt seither in ihm. das haus der sprache ist riesig. seine ausmaße sind gigantisch und es gibt unzählige räume und stockwerke, innenhöfe, prunkräume und werkstätten, balkone, kanzleien, aber auch muffige keller und gossen. unentwegt sind menschen in es unterwegs, um für sie interessante teile dieses hauses zu entdecken und kennen zu lernen. lehrende und lernende teilen sich das haus der sprache und zeigen neuankömmlingen, sich in ihm zurechtzufinden, denn es ist immer was los in den räumen, gängen und etagen. es gibt lesungen, vorträge und referate zuhauf. in den unzähligen sprachstuben lauern falltüren und fettnäpfchen, oder für unsere wahrnehmung gänzlich fremde sprachen, deren lautung wir nicht verstehen. es gibt die unterschiedlichsten färbungen der mundarten. wir finden im haus der sprache auch einige geheimsprachen, dann sprachen für die wissenschaft, sprachen für die kunst, oder die fachausdrücke, wie sie in den unterschiedlichsten berufen angewendet werden. und nicht minder die sprache der gewalt, des terrors und des krieges.

ich bin täglich im haus der sprache unterwegs und das schon seit vielen jahren, aber ich kenne trotzdem nur einen kleinen teil des gebäudes, weil es alleine in meinem umfeld so viele interessante säle und büchereien, sprachinseln und mundartabteilungen gibt, um bis an mein lebensende damit beschäftigt zu sein, mir das stockwerk meiner sprache zu meinem eigen zu machen. das haus der sprache steht allen offen und jeder mensch lernt von seinen eltern die sprache seiner herkunft. der junge mensch wird in seine sprache hineingeboren und erlernt sie zu gebrauchen, um mit seiner umwelt zu kommunizieren. ich habe bis zum volksschulalter nur die mundart meiner eltern und meiner umwelt gelernt und erst mit dem eintritt in die schule schloss mir meine lehrerin das haus der sprache auf. ich trat staunend ein und erlernte die schulsprache, oder schriftsprache, oder auch hochsprache genannt. ich hatte keinerlei probleme, diese sprache zu begreifen und ich fand gefallen daran, im haus der sprache im ersten stockwerk die schulsprache zu verwenden.

bald hatten es mir die büchereien im haus der sprache recht angetan. ich fühlte mich hingezogen von den mächtigen regalen und den unzähligen, nach vergangenheit, geschichte und abendeuer riechenden büchern und ich verbrachte gerne so manche stunde in einer bücherei in der stadt und sah, was es da alles zu entdecken gab. ich begriff intuitiv, das haus der sprache ist etwas kostbares, etwas wunderbares, um sich in räume zu begeben und auf spuren zu wandeln, die dereinst menschen geprägt und gemacht, erdacht und erträumt, erfunden, erlebt oder erlitten hatten. ich war damals unbedarft jung und tat, was der tag mir stundenweise als treibholz anschwemmte. aber ich konnte durch das lesen einen anderen blickwinkel auf mein eigenes dasein erhaschen. wenn mich etwas interessierte, da war ich mit eifer am stöbern und mein größter lehrmeister war mein interesse.

lesen war einfach interessanter für mich, als rechnen mit all seinen qualvollen zahlenkaskaden, die mir nur ganz selten das richtige ergebnis vergönnt waren. zahlen sind kalt, fast abstoßend und vermögen in mir kein inneres feuer entzünden, an dem ich mich erfreuen kann; das mir nach dem weg leuchtet und mich in der kalten welt wärmt. zahlen und rechenbeispiele in bruch oder division, im geometrie oder in der algebra, binomisch oder in logarithmen verschlüsselt, haben mir mein erlebnis von einer leidlosen schule verdrossen. seither habe ich die schule als stätte des grauens bleibend in meiner erinnerung und ich weiß bis heute nicht, wie ich diese zeit ohne gröberen schaden überstanden habe. jedoch im haus der sprache fühlte ich mich damals schon wohl und zuhause. schreiben, lesen, zuhören und erzählen, reden und diskutieren habe ich geliebt und liebe es heute noch. vermutlich haben mich diese fächer, neben biologie, physik und chemie, georaphie und turnen, werken und die musik, über die qualvollen stunden geometrie und mathematik hinübergerettet und darüber getröstet.

das haus der sprache ist ein faszinierendes gebäude, denn alle menschen, welche sich mittels ihrer sprache mit dem leben und ihrem dasein beschäftigt haben, sind in form eines buches oder eines theaterstückes, sei es in form von geschichten, gedichten oder liedern, darin anzutreffen und man begegnet ihnen im leben immer von zeit zu zeit wieder. sehr viele dichter und wortkünstler aus dem haus der sprache sind auf meinem weg meine lehrer geworden und ich lasse mich von ihnen belehren und inspirieren, um meine eigene ausdrucksform zu finden. ich schaue immer wieder staunend, wie philosophisch und liberal, human und geistreich ein marcus aurelius im zweiten jahrhundert nach christus seine gedanken formulierte und wie ironisch und phantasievoll jonathan swift im siebzehnten jahrhundert seinen schelmenroman „gulivers reisen“ aufbaute.

die schule im haus der sprache, war für mich und meine art zu lernen, nur zum teil geeignet, und so entdeckte ich das selber-lernen durch lesen. neugierig las ich ein buch um das andere und je mehr ich gelesen hatte, desto mehr wollte ich lesen. ich hatte das glück, dass ich einen sehr fortschrittlichen deutsch-lehrer hatte, der es verstand, uns sehr früh zum lesen von literatur zu animieren, um dann darüber ein referat für die klasse zu verfassen, das man selbst vortragen mußte, damit schulkameraden, die das buch nicht gelesen haben, den inhalt, den stoff, die geschichte als inhaltsangabe zu erzählen. so kam ich zu homers „odyssee“, und auf empfehlung des herrn lehrer las ich auch das zeitgenössische gegenstück „ulysses“ des iren james joyce, oder das monumentale erinnerungswerk des französischen autors marcel proust „die suche nach der verlorenen zeit“. ich trug mir sachbücher über astronomie heim und wollte wissen, wer ich bin, wer ich werden sollte und was die welt zusammenhält. aber das prägendste werk war für mich der autobiografische roman „die harte straße“ von abraham lincoln, des sechzehnten präsidenten der vereinigten staaten. seine einfache kindheit in den wäldern von kentucky, seine humane gesinnung; lincoln hatte als präsident die sklaverei abgeschafft; sein felsenfester glaube und seine liebe zu den menschen, haben mich tief bewegt und beeindruckt. und ganz besonders fasziniert bin ich noch heute von der literatur goethes und shakespeares. von heinrich von kleist und carl zuckmayer, friedrich dürrenmatt, thomas bernhard, von christine lavant, vom dalai lama und von konfuzius. sie alle sind meine lehrer geworden und viele andere mehr. alle zu erwähnen, würde den rahmen dieses essays sprengen.

schreiben und lesen ist überhaupt das spannendste, interessanteste und reizvollste tun im leben; außer der müßiggang; weil lesen, und in weiterer folge selber texte schreiben und geschichten, namen und handlungen erfinden, eröffnet einem eine eigene welt, die am anfang in der stunde des geschehens nur mir gehört. es ist etwas geheimnisvolles, magisches daran, das einem führt und leitet, unterrichtet und lehrt, es ist eine form von schöpfung, die einem da im schaffensprozess umfängt. im schaffensereignis bin ich schöpfer. egal ob einer malt, meißelt, modelliert, oder schreibt. das material, in meinem fall die sprache, ist das werkzeug und ich bin nur das medium, durch das die sprache zum gedicht, zum epos oder zum essay wird. ich bin in diesem augenblick eins mit mir selber und vergesse die zeit und die welt um mich herum. ich trete ein, ins haus der sprache und verweile im jetzt und hier, bis mich, oft erst nach einigen stunden, wieder die wirklichkeit umfängt und mich in mein reales leben zurückführt.

so habe ich im haus der sprache eine weitreichende erkenntnis gelernt: du kannst, einfach gesagt, kein buch öffnen, ohne daraus etwas zu lernen. ein buch, das einem nichts mitteilt, das gibt es nicht. das ist so wie mit dem nichts. das nichts ist ja auch eine größe, eine dimension, ein maß, um einen rauminhalt zu benennen und wenn nichts da ist, so ist immer noch was da, was man benennen kann, nämlich nichts. eine gänzliche leere ist unmöglich. so ist es auch mit büchern. selbst ein fades buch ist lehrreich und hat einen, wenn auch verborgenen sinn und will uns etwas mitteilen. es schreit, weint, jammert, lamentiert, zetert und klagt uns entgegen. weil es will uns zumindest das eine sagen, dass man so nicht schreiben soll. so schreiben darf man schon, dürfen darf die kunst alles, aber sollen. die kunst darf niemanden verletzen oder in seiner religionsauffassung verspotten. oder sein anders-sein verurteilen. ansonsten darf die kunst alles, wenn der künstler jemanden findet, dem seine kunst gefällt. das ist wie im faust die gretchenfrage. sagt, liebe freunde, verehrte freundin, liebe schülerinnen und schüler im haus der sprache, wie habt ihr es mit der philosophie? die philosophie ist hier eine metapher und steht für weisheit und klugheit, für einzigartigkeit und originalität. sagt, wie habt ihr es mit eurer kunst, um die gegenwart und das leben, das sein, das erdendasein zu deuten und zu verstehen? im haus der sprache tummeln sich die lehrer zu hauf. gute lehrer, besserer lehrer und geniale lehrer. nimm dir die besten, die du bekommen kannst und auch verstehst, sagt dante alighieri, um nicht zeitlebens in einer der drei jenseitsbereiche schmachten zu müssen.

©joschi, august 2013

 

ora et labora - oda hoids maö und dschinaö

jo jo mei liawa du; unsari oidvordan houm schou gwissd va wos de reed is, wouns iwan sinn van lebm vazöhd houm, oda wouns ohne gscheidln und bessawissn de wäd eakleard houm. mia, in unsara drawign zeid, wo eachddaweis nedda nu de uha und des gäd, da gwing und da profit ouschoffd, mia wissn efdda nimma wem mia nu glaubm kinnan, ohne das uns ums maöumdrah da nexddi iwan tisch ziagdd. vagessn, so scheind ma, hand de oidn werte, de ideale, de leichddaddn fixschdeane da lebmskunzdd. vagifdd is de sä, va laudda mea und nu mea hobm und dabei en krogn ned voi griang kinna.

owa wiaso is des so? vialeichdd, waö ma glaubm, woun ma reich han, doun dawischdd uns da sensnmou ned so leichdd, oda mia kinnan uns unsa lebm va da medizin, va de unddaschiadlichn religionen, dakaffm? und jede religion behaubdd va sich, sie is de oanzigi richtige und de besdde fia dein sänfriedn. woun des so wah, wia ba de poaddeien oda ba de schbortvareine, doun miassads fia jede religion an eigenen godd, an schef, an präsidenddn oda an schöpfa gebm. des kou i mia ba meina bliaraddn fantasie wiaggli ned voaschdön, dass fia de indiana, fia de weissn, fia de schwoazzn und fia de gäbm menschn jeweils an eigenen godd gebm soi. waö es gibdd nedda oan universellen geisdd, oa mochdd, oa krofdd, nedda hod de enagie in jeda schbroch an oundan noum.

und do liegdd des problem. da mensch vawexld oiwaö nu öbbfö und bian, nedda waö da godd, des meea da weisheid, in da jeweilign schbroch oundas hoassd. owa a obbfö bleibdd a obbfö. wuaschdd, ob des wordd wea auf englisch, oda russisch, chinesisch oda in da mundoadd sogdd. und da godd, da schöpfa, des universum, bleibdd des gleichi, ob du hiaz manitu oda brahma, jesus oda jahve, heiland oda hümmövodda, ewigkeid oda schöbbfa sogsd, is ned wichddi. „namen sind schall und rauch“ hoasdds bei kohelet und da fausdd sogt in der greddchenfrage: ...“a noum! wos is den schou a noum? des hoasdd ned fü!“

so weadn im namen des schöpfers nu oiwaö aus fanaddismus leit bedrohd und enddführd, daschossn und vagifdd, gschunddn und umbrochdd und neamdd mog de schbiaroin va den wahnsinn aufhoidn oda fia gounz vahindan. und schou goaned mog de religion so grauslichkeiddn vahindan, wouns säwa mid da hö schdrofdd und midn daöfö drohd und midn unddagoung da wäd de menschn vaangsddinga wü. san ma se eali: es gibt koa gressani mochdd auf erden, ois guad oda schlechdd, waö oiss is enddweda plus oda minus. es gibdd koa gressani ungerechddigkeid, ois reich oda oam und de schlimmsddi voikskroungaddn hand de giea, da fanaddismus und de dummheid. owa wos gibdds fia gegenmiddl? wos haöd de gschwiara da xöschofdd und wos fesddigd de obwehakrofdd gegn hoss und vagäddung? wos mochdd de menschn unvawunddboa gegen nazzionalismus und menschnhazz?

a weisheid aus de schbrüche da vädda moand: suach dia an lehra und schau dia um wohari freind. schau genau und sei hoagli in deina auswoi, waö undda fümf freind hand drei foische dabei. sei owa ned hoagli wia a goas, sondan vakündd zeaschdd des guadi und nochhea zoag a weng af des weniga guadi. reed mid oile, owa red nix nochi. dengg dia liawa dein taö und mochs du bessa, wounsdd dazua in schdound bisd. schazz de leit va eanara guadn seiddn und gfrei di oile tog iwa de schdunddn da oawad und da freindschofdd und iwa deini guadn gedanga und tram und iwa deini guadn werke und winsch.

oawadd, wouns zan oawaddn is und schboun aus, wouns zan feiroumdd mocha is. bedd, wouns zan beddn is und fluach ned z fü, wouns zan fluacha is. loch, wouns zan locha is und flenn a weng, wouns zan flena is. glaub ned z fü, wouns zan glaubm is und zwaöfö ned z fü, wouns zan zwaöfön is. liag ned z ofdd, wouns zan liang is und sei aufrichddi, wouns zan eali sei is. liab oiwaö, wouns zan liabm is und hoss ned, wouns zan hossn wiad. dua, wos zan doa is, owa dua ned oiss, wos de oundan a doan. schdreid, wouns zan schdreidn is, owa vasöhn di wieda, wouns zan vasöhnen kimd. foung ou, bevoa oile damid oufoungan und loss guad sei, wouns gmua is. reed, wouns zan redn is und hoids maö, wouns zan schdad sei is.

©joschi, august 2013

 

i bi a sondaling

„wessen brot ich ess – dessen lied ich sing…“ (redewendung, duden, wörterbuch der deutschen idiomatik)

der mensch ist ein herdentier, sagte schon charles darwin. der mensch wird geprägt durch rudelverhalten und nachahmung und es fällt ihm nicht leicht, in autonomie sein leben zu gestalten. der mensch fühlt sich von natur aus zu einem rudel hingezogen, denn nur so ist das einzelne individuum besser vor anfeindung und gefahr von außen geschützt. er wird aber durch sein rudelverhalten leichter lenkbar, regierbar und manipulierbar und er neigt dazu, alle anderen rudel um ihn herum anzufeinden und  auszugrenzen oder zu unterwerfen, zu unterdrücken oder zu beherrschen.

und woun oile des säwi glaubm, so muass ned des gscheidani sei. schdödia voa, a niada mensch glaubdd, das des wosa glaubdd, des oanzig woare und richddige is. do wah zoumgramd mid da freiheid va geisdd und werk, weg und zü und glaubm oda zweifö. do wah boid austramd, da tram va da freiheid des oanzelnen, wosa fia de xöschofdd doa wü und doa kou, oda ned doa wü und ned doa deaf, waö des programm va obm oiss kontrolliead und iwawochdd, schdeiad und lengdd. do gibdds oiwaö nu haöfddi wichddige va voagesddan, de glaubm, nedda blau is de richddige foab und oile oundan foabm, va reod oda grea, va schwoaz iwa oarounsch hand nix weadd und kearaddn am bessan vaboddn. waö nedda des blau is en bsizz va da woarad und des voigg brauchdd a schdoaggi hound, damid des xiwarlwea ned mea wiad und de fleissign und tüchtign in schdod und lound ned oiwaö mea de owizahra dahoidn miassn. owa des voigg kimd do schee loungsoum drauf, das da blaue märchenprinz nedda a kini ohne lound is und undda sein englsgwoundd a uniform fiaraschreid, de ma nia mea seng woin.

und woun oile des säwi sogn, so muass ned des richddige sei. owa wos is des richddige und wos des foische, wea mog des wissen? wos fia den oan guad sei mog, kou fa den oundan gounz aus sei und wos fia de meisddn leit ois noamal güdd, is fia oundari a fade gschichdd und is hexddns zan ohgween. nedda es soid oan zan denga gebm, woun oile de säwi leia owabeddn und ned säwa dengan, sondan liawa denga lossn und brav de subbm auslöffön, de eana fiaxezdd wiad. säwa doa, is oiwaö schwara, ois doa lossn, waö woun wea wos foischs duad, doun isa säwa schuid an sein gwiaxdd. woun wea oundara fia uns wos duad, und es kimd wos foischs aussa, doun iss zwoa a ned lusddi, owa mia kinnan wenigsddns wen oundan de schuid gebm, und des is a wos weadd. doun gibdds nu söchdda, de nedda so doan, ois wouns dadaddn, dawaö lossns doa und sogn, i hou nix dou. ea woas, oda se hands gween. i ned, i dua do sowos ned.

und woun oile des säwi dengan – so muass ned des bessani sei. de meara zeid wiad uns fiagschwanad, wia klass das oiss is und dea neichi musndämbbö in da schdod drundd is da modearnsddi va gounz iwaroi. subba, wädklasse, a wounsinn is des, wos uns mia oiss leisddn kinnan. owa fia de masse va haggla is dea dämbbö so weid weg, ois da mond va da eardn. waö des ned eana wäd is und waö se des wiaggliche lebm ned in so an olymp ohschbüd, sondan en wiagglichn lebm hoasdds, gemma gemma du schaua und hoids maö und dschinaö. und des is eana wuaschdd, ob de pendla und de haggla in da frua in schdau schdengan, haubbdsoch, se houm eana denggmoi und haöfddi rennan hie, zwegn da neigiead, oda waös graddis a barl wiaschddl und a seidl gibdd. und neamdd dengdd se wos.

und woun oile des säwi woin, so muass ned des rechddi sei und so doan se schou wieda schlünde af, wouns darum gehd, wohea a gäd nehma, des neamdd hod, aussa a bank. des houm se de owagscheidn va ehschouwissn a denggd und houm in fremda währung schuidn gmochdd. und hiaz is des gäd va den lound mea weadd woan und hiaz miassns s fuchzgfochi zruggzoin. des is bled heaggounga. fraöli heds grodn kinna, owa es is weid gfaöd und wiad zan bumarang, dea a boa köbbf kosdd. und ob dea rechdschdreid gwunga oda valoan wiad is am end va de tag sicha ned des wichddiga, waö wuaschdd wea gwingd oda rechdd griagdd. zoin muass de oigemeinheid. griagdd de schdod rechdd, wiad da schodn iwa hechani bankgebührn und zinsn ohgsamd. griagdd de bank rechdd, wiad iwa hechani schdeian und obgobm de gschichdd finanziad. waö nehma kounsdd nedda den wos, dea wos hod. dea oawadd, schdrebsoum, fleissi, schboasoum und guadmiadi is.

und woun oile des säwi schbün, so muass ned des earlichani sei und da hund liegdd oiwaö in da voagob begrobm, wos is xezz und wos is ealaubdd. da glaubm aus diafsdda sä, ois trosdd und hüf, ois gloas in oidog, ois erfüllung und gnod is wos wundaboars und es gibdd nix, wos oan vabiaddad, ois oasiedla, ois asket, ois pater oda schwesdda so z lebm, dassd mid dia und da wäd en reinen bisdd. haöfddi browians, de mearan scheiddan, eddla schdrauchln und nedda de wenigan schaffms, so in eanan glaubm z lebm, wias eana de ordnung eanara glaubmsgemeinschofdd voaschreibdd und mia kimd des gschbü wia a varein fia. niada varein hod seini vareinsschdaduddn und wea se ned drou hoidd wiad ausgschlossn, wouna ba oana vafählung dawischdd wiad. hod des nu wos mid an glaubm z doan? glaubm und kiacha hand so unddaschiadli, wia regn und schnee. und wounsdd wos soxdd, bisdd glei da bfuidaöfigrausli, waö je weniga voaschrifddn dass gawad, um so weniga miassad wea kondrollian.

und woun oile des säwi hobm, so muass ned des weaddvoisdde sei, waö oiss wos an weadd hod, hod efdda koan preis. in unsara materiell bemessna wäd hand de weaddigkeiddn ofdd so vakead und es wiad fü a z heoa preis zoid, fia a schdaddussymbol. iwahaubbd is a schdaddussymbol jo nedda a zoacha, a symbolischs, des da wäd zoang soi, schaudds hea, wos i oiss hob und kou und bi. friara, ois de mearan leit nu ned schreibm kinna houm, houm jene, de schreibm kinna houm, a schreibfedan hinddan eawaschl schdegga ghod. so wia a tischla oda a zimmamou heidzatog in da weaggschdod nu sein beleischdifdd am earl schdegga hod. de fedan hod oile zoagdd, schaudds hea, i bin gebilded, i kou schreibm. dawaö hod des efdda goaned gschdimmd und ma hod xogdd, dea schmüggd se mid oana fremddn fedan. drum is oiss reladdiv, waö en preis zoin oiwaö de masse fia a soch, waö fü is graddis, owa nix is umasunzdd, leahd uns da voiggsmund.

und woun oile des säwi mochan, so muass ned grechdd sei. waö a gerechddigkeid gibdds in da hö, owa nedda en hümmö gibdds a gnade. so hand de mearan poliddigga va eana mission blendd, dass en lound und de menschn wos guads doan, owa es is hoid de meisddn eana bfoad nahada ois da schambba und wouns amoi ban nuasch hiebei hand und seng, wia de oundan fressn, so fressns a mid, waös a so da brauch is. oda de wo fanaddisch hand und oile gegnanounda aufhussn, de ned so hand wia se. des hand in meini augn gounz schlimmi vabrecha, de a religion ois schwert benuzzn und mid den schwert de leid, meisdns schou en kindaoidda, eana sä ohdeddn und eana herz aussaschneidn und eana de augn ausschdechan. mid da muaddamüch wean de gloan buzarl schou midn zorn und hoss gfuadad und in fü lända ned in d schui gschiggd, damids ned lesn und schreibm leanan, sondan nedda en schiassn und kembbfm unddarichdd weadn, dass ois weaggzeig de finsddan machdd ausgliefad bleibm. zan schiassn und daschossn weadn iss oading, obsdd lesn und schreibm, s oamoioans oda s diwidian beheaschdd, oda ned.

und woun oile des säwi suachan, so muass ned des wichddiga sei. da mensch is af da suche, soloung ea schnaufdd. owa wos suachdda den sei lebdda und wos findd ea. i deng ma, suacha duada eafüllung und liab, freid und zfriednheid, glaubm und hoffnung, das sei dosei ned umasunzdd is, sondan ois aftrog, um en friedn und de zuavasichdd in d wäd z bringa. owa in seina giea wiad draus a roumbbfm und ruachln, a ausbeuddn und ohkassian, vanichddn und zeaschdöan. oana schreid iaganddwos, und oile rennan eam nochi. dawaö is atlantis nedda in deina zan finddn und ned aussahoib va dein köabba und dein geisdd. oda des goidani flies. in koan schloss mogsddas finddn, in koana truachan und in koan dawanaggö is drinn. woun de sochan wo zan finddn hand, doun nedda in deina, do mog dia oana in hümmö vahoassn. losn redn und geh dein weg da freiheid und liab, da freid und da zuavasichdd, und sei ohne schdoizz und hochmuad, doun hosd schou fü gwunga und hosdd an schozz, den dia neamdd nehma kou.

und woun oile des säwi ruaffm, so muass ned des oanzig woari sei und es hand schou so fü menschn af an foischn ruaffa einigfoin. es gibdd so fü gfähdi brofeddn, dass gounz aus is und je mea kreidn das oana gfressn und umso feina seini hendd und umso siassa und griaslad sei reed, umso höda iss zan obochdd bassn. do weadn woas wos da guga fia an hauffm gwing vahoassn. do wiad gloggd und valoggd, drixdd und deischdd und s blaui van hümmö vaschbrocha und am end van tog schdehsd ohne gäd und gwing und soch do. schdobbfds eng gegniwa so leit, wias da odysseus a gmochdd hod, de eawaschln zua und hadds schdoundhofdd gegn lug und trug, deischung und vablendung, waö woun dia wea siebm oda zehn prozendd zinsn vahoassd, so muasa seggs prozendd zeaschdd ba wen oudan ohkassian, damid ea dia des, wouns wiaggli so wa, gebm kundd.

drum is a eigna herd, des goldes weadd und es gibdd nix schenas, nix gscheidas, nix bessas und nix wichddigas, ois sei eigene frau oda sei eigena herr iwa zeid und oawad, guad und gäd, gedanga und sei schöbbfakrofdd z sei. mode is a diggdad, bolidigg is a diggdad, de kiacha is a diggdad, da schbordd is a diggdad und sogoa de kunzd is a diggdad. eiganddli is oiss gounz oafoch, waö des wichddigsdde is nedda, des richddige gleichgwichdd af den saödounz lebm zan finddn und z hoidn. nedda des oafoche is oiwaö am schwaran.

©joschi, juli 2013

 

feia und gluad

schläft ein lied in allen dingen/ die da träumen fort und fort/ und die welt hebt an zu singen/ triffst du nur das zauberwort (Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, 1788 - 1857)

guad iss, das mia ned oile gleich hand. aus wahs, woun oile menschn gleich ausschauaddn, des gleichi dengaddn und des säwi vafluachaddn. woun oile menschn des säwi kunddn und des gleichi fiachddaddn, des säwi sogaddn und des säwi frogaddn. owa in oan vahoiddn hand drozzdem fosdd oile menschn gleich: a niada mechdd reich sei, a niada mechdd berühmdd sei und oile mechaddn oid wean und mea nehma ois gebm. und woun des oundas sei ned oiwaö oafoch is, waö des a lebmslounga lernprozess is, dea oan oi tog wieda voa oundari frogn schdöd, so is aloani des wissn um des thema schou a wichddiga schriad.

des muas uns oile bewussd sei, de ma se mid unsara kuiddua, und wias ba mia is, mid da schbroch, in mein foi mid meina muaddaschbroch, da schbroch meina kindheid, ois künsddlarische ausdrucksform, beschefddign, das jeda mensch sei eigenes universum in seina hod. und nedda woun i mia bewussd bi, das a jeda af sei oadd und weise oundas is, so deaf i eam koan zwoung va außen afsezzn, indem das i za den menschn sog: des wos du mochsdd, des is nix, des kead so oda so oda oundas gmochdd, waö grundsätzlich deaf de kunzdd oiss. zumindesdd fosdd oiss. und driwa richddn, ob guad oda schlechdd, schee oda schiach, humoavoi oda schdaubdrugga, duad oanzig und aloani des publikum, ob wos guad is, oda ned. des publikum is da konsumendd, und dea enddscheidd, iwa hümmö oda hö. waö oans is sicha: kocha doand fü, owa mounchi kochan hoid um wäddn bessa. owa es gibdd naddiarli a in da künsddlarischn freiheid grenzn va moral und ethik, de ma ois eansddhofdda mensch ned niedareissn deaf. de grenzzn houm unsari voadengga in weisea voraussichdd errichdd, um a friedlichs zoumlebm da unddaschieadlichn sozialen schichddn und wädbüda und genarazionen za eamöglichn.

des ollaeaschddi gsezz hoasdd: du soisdd mid deina künsddlarischn oawad ned fadisian! des is des easchddi gebod und zglei a des wichddigsdde und des schwarane. es is erfoadad unglaubli fü eansdd zua soch, um lusddi, ironisch und wizzi z schreibm und es brachdd fü üwung und bfoachddl (talent) bis des xaggarad amoi so hoiwegs rennd und kuazwaöli schdod loungwaöli is. des zweidd-wichddigsdde gsezz is eiganddli a so fü weadd wia des easchddwichddigsdde: du soisdd neamdd fia gring schazzn! waö es is nix leichdda af da wäd, ois af wem hiebegga, dea ned do is oda in da mindazoi is, oda schwecha ois du. oiso deaf i ned kindafeinli und a ned oiddnfeindli sei. i deaf ned frauenfeinddli sei und a ned mounafeindli, ned religionsfeindli und ned kunzddfeindli. i deaf ned behindaddnfeindli und ned feindli gegn viecha und pflounzzn sei. i deaf iwahaubbd ned ausländafeindl sei und a ned umwädfeindli.

jo mei, wiad se hiaz so mouncha mensch denga, iwa wos deaf i den doun schreibm? i woass, de kunzdd is a hund, und woun ma se eansddli damid beschefddigdd, doun is des a herausfordarung und a gradwoundarung, owa de massschdäbe kinan goaned häo gmua sei, das des wos du mochsdd, a an sinn, an schaa griagdd. schreibm, des is mein fesddi iwazeigung, schreibm deaf koan gschboas mocha. a gschboas is wos owaflächlichs, ohne sinn und diafgoung. a gschboas is nedda a „geisddiges pantoffeltierchen“, wos koa loungs lebm hod, sunzdd nix. schreibm soid, schreibm muas a hearzliche freid mocha. a eiwendige, aus diafsdda sä schbrudlnde freid muass mocha, waö nedda woun des in meina a feia ouzindd, doun mogs viealeichdd in den menschn, dea den dexdd oda des büachö amoi lesd, a a freid auslösn. a schdaunen, a vawundarung. und vialeichdd a eakennddnis. waö a gscheids schbrichwordd lehrd: du kannst kein buch öffnen, ohne daraus etwas zu lernen. de unddaschreib i af oile fälle, waö es güdd en positivm und a en negativm sinn. koa buach, koa dexdd is so guad oda so schlechdd, dassd draus ned a wos leana kounnsd.

doun bi i doadd, wo i eingoungs va den essay vazöh, wos da eichendorff moand. woun i de melodie dagschbia, de in de dinge schwingd und singd. woun i de krofdd, de energie und den zauwa mid meini sinne eifounga und in schöbbfarische büda und gleichnisse umwoundln mog; doun wegg i a wäd in meina af und i bi oans midn universum und mid dea krofdd, de mia schöbbfa nennan. und es schdimmd wiaggli. i hou des in meina dichddarischn enddwigglung schou so ofdd dalebdd, wia des is, wounsdd oans wiasdd mid deini gedanga und wounsdd fia a neichddl zoumwoxdd mid de büda in deina. do lösd se de zeid in nix af und a schdund oda zwoa vaschmäzzn za an siassn augnbligg. du gschbiasdd nix mea und du heasd und siaxdd nix mea, aussa de eiwendign büda und gefühle, de di leiddn und an da hound va soz za soz weisn, bis dassd wieda aussikimsdd ausn haus da schbroch und di nedda nu gfreisdd iwa dei lebm, des dia gschenggd is, bis da tog kimmd, wo du dei erdnsei wieda zrugggebm muasdd und nedda doungda deafsdd, dassd so a lebm lebm hosdd deaffm.

©joschi, juli 2013

 

des neichi wädbüd

was wäre denn der künstler, wenn ihn gleich jeder narr verstünde. (adalbert stifter)

va oan tog za den oundan drahd se de wäd umi und de zeid kaöwöd af da schrossn da winsch und tram dahie mid ian gschroa. des oani kimd, des ounda gehd und oi tog ruafdd a schdim in meina: he du, schau mi ou! i bi dei vagoungenheid. kennsd mi nimma? loss dia wos vazöhn va mia, waö i hou di za den gmochdd, wos du heid bisdd und wos du heid kounsdd und wos du heid woassd. du hosd af deini öddan und af deini lehra ghead und hosd di so guads gounga is, bemiad, das a hoiwegs groda joschi aus dia woan is. und ois bauanbua hosdd va kloa auf xeng und glenad: des wos du oubausdd, des wiasdd amoi earnddn, waö du muassd dei oawad ba niadn weda varichddn.

owa dresdd di, du bisd a ausloufmodä, du bisd va gesddan, waö heid und hiaz denggd ma gounz oundas iwas lebm und iwa de wäd. es is jo frei neamdd vanünfddiga mea do, dea de junga sogdd, wos guad und wos ned guad is, waö de eaziehung va de kinda hod lenxdd de weawung iwanumma. sie sogdd eana heid, wos se kead, oda wos a absoluddes „no go“ is und du ois aloaeaziehenda/e babba oda mama hosd ausgschissn ba deini gschrobbm mid deini schbrüch va voagesddan. wos houm mia va an hauffm egoisddn, de se nix scheissn um an gheadse, um a büddung und um an hoiwegs ziwüisiaddn umgoung midanounda, woun oana den oundan nimma vaschdehd.

unlenxd hou i ba uns en gschefdd a frau griasdd, waö i gwisdd hou, dass gegniwa in nochbahaus voa a boa wochan eizogn is. oiso i griass des doan (die dame), sie deaffad so um de viazg sei, und sie frogdd mi hoiwegs schnoblad: „wer sind sie eigentlich und wieso grüßen sie mich!!??“ i hob zeaschdd an momendd bled gschaud und drauf xogdd: “i bi neamdd, owa mia han gwasi nobban“ und hob de ruaschn ougrinzdd. do hods an diaffm schnaufa gmochdd und hod an reodn schedl griaggd und hod se umdrahd und is zwischn de regale vaschwunddn. nou seawass, hou i ma dengdd, du fremdlsd owa hoiwegs.

i woass e, i bi oidfadarisch und nimma zan umireddn fia de modeani zeid, de oundari xezza hod. waö heid hearschn oundari siddn. es gibdd zwoa nu den zehn gebodde, owa se gengan nimma so, wias mia nu gleand houm. i behaubbd jo ned, das i mi oiwaö an de zehn gebodde hoidad, owa so in grossn und gounzzn bin i schou af da sichan seiddn. de heidign zehn gebodde gengan gounz oundas und se hand fü leichdda zan befoign fia oaman. fesch is des, woun ma se nimma bemian muas und woun oiss wuaschdd is, wos ma duad und denggd, waö des lebm is a greossa gschnas.

easchdds gebod: i bi des gäd, dei oanziga godd, dea di daredd hod va dein ölend und du soisdd koan oundan gödda aussa mi nebm deina hom.

zweidds gebod: du soisdd an koani oundan gödda glaubm, aussa an de oimochdd va gäd und gwing, zinsn und zinseszinsn.

dridds gebod: du soisdd des gäd, wia a beivogö en heni, soummön und eilegn, oda glei wieda ausgebm und de wiadschofdd guad lebm lossn.

viadds gebod: du soisdd de banken ochddn und ehren und du soisdd in de dämbbön dei zinsnobbfa bringa. pass af dei schboabuach af und schau af deini bauschboara, waö es hod dia dei godd zua pflichdd gmochdd, dassd dei gäd af da bank lossd, damid sie damid an da börse schbeggarlian kou.

fümfdds gebod: du soisdd dei bank und dei finanzoumdd ochddn und ehren, so wia dei gäd und di säwa, damids dein lound guad gehd, des dia dei godd gmochdd hod.

sexdds gebod: du soisdd ba dein schef oaschgraön und schleima, wos des zeig hoidd und du soisdd deini nexddn und deini oawaddskollegn vanadan und ouschmian, ausnehma oda vahussn.

sibdds gebod: du soisdd dein nexddn a foischs zeignis ohgebm und du soisdd di ned an de xezza hoidn, waö xezza hand za den do, um iwagounga und brocha z werdn.

ochdds gebod: du soisdd ehebrecha und begehrn va dein nexddn s weib oda va dein nexddn en mou. nim dia wos du griang kounsdd, waö sunzdd duads a oundara.

neidds gebod: du soisdd vodda und muadda vaochddn und du soisdd deini lehra vaoaschn. du soisdd dei gschwisddarad seggian und draggdian und af oile menschn gemein und hinddafozzi sei.

zehndds gebod: du soisdd en sunda nimma esddamian und du soisdd ned in d kiacha geh. bedd nix und glaub an koan godd, waö de oanzign gödda hand des gäd, des goid und wosdd dafia oiss ghoassn griaxdd. waö i, des gäd, da machddigsdde herrscha af da wäd, bi dei oanziga grechdda godd in dein lebm und du soisdd di ned voa oundari gödda niedaweaffm, sondan schwörn, dassd oiss fia dein godd, des gäd, duasdd. amen.

jo mei, i woass e, i bi oidfadarisch und wead de neichn gebodde nimma in mein brauch aufnehma. i bin eha va oafocha naddua und va hausaus ned duachdrüm und ohrahd, voi hinddalisdd und bosheid. i bi ned so gscheid, das i oiwaö liag und foisch bi, waö do miassad i mia so fü meagga und des dameagg i mia nia. i kou mia jo nedamoi meagga, woun i midn auddo zan babbmschlossa in d schdod foa, wo i mei kraxn voahea ohgschdöd hob. und i mechdd mi ned oi tog schregga, woun i mi en da fria in schbüagö einischau. i bi hoid so. a weng vagessn, a weng oidvadarisch, owa sunzdd gounz xund. mia iss liawa, i bi va de bledan da gscheidani, ois va de gscheidan da bleda und i mog des, woun i va de ödan da jinga bi, ois nochand va de jingan da öda. mia iss a eiwendige freid, va de schlechddan da bessani z sei, ois va de bessan da schlechdda und i wü af oile fälle va de gfähdn da richddigani sei, ois va de richddign da gfähdi.

©joschi, juni 2013

 

das großvater-paradoxon – oder, der faust ist überall

wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet es nicht fangen/ wenn es nicht freudig aus der tiefen seele dringt/ um dann, mit kräftigem verlangen, die herzen aller leser zwingt/ sucht ihr noch immer, leimt recht und schlecht zusammen/ kocht ein ragout von anderer schmaus/ und blast die kümmerlichen flammen, in eurem aschenhäufchen aus/ so werdet ihr nie herz zu herze schaffen/ wenn nicht die heiße glut in deinem innersten zuhaus...                    (fragment aus goethes faust)

jeder mensch auf dieser welt ist eine einzelanfertigung. er ist ein unikat, ein original, ein beispiel der schöpfung und eine kostprobe des lebens. ebenso gibt es kein zweites leben, ein späteres leben oder ein besseres leben, eine wiederholung dessen, was wir beim zweiten mal anders, besser oder klüger machen würden. leben ist das was jetzt geschieht, weil leben ist immer nur der moment, der augenblick und die gegenwart der zeit im jetzt und hier. freilich träumen wir in die zukunft und bauen schlösser aus luft, illusion und glück. wir reisen manchmal in die kindheit zurück, oder kramen am dachboden der erinnerung nach etwas brauchbarem, um das hier und jetzt besser zu verstehen. wir suchen nach versatzstücken, um das strickmuster unseres daseins zu bearbeiten, damit wir gemäß unseren vorstellungen, wie sich unser erdensein gestalten soll, so recht und schlecht gerecht werden.

so ist unser leben ein ständiges streben nach originalität und individualität. oder anders gesagt, es sollte ein streben danach sein. es sollte auch ein wachsen sein, ein werden und gedeihen, denn jeder tag ist ein neuer versuch, das eigene leben zu gestalten, zu formen und zu schaffen. wie gesagt, es ist eben ein versuch, denn ob er gelingt oder nicht, erkennen wir immer erst am ende des tages. es hängt von vielen umständen ab und diese wurden in der vergangenheit von unserem verhalten, denken und handeln gesteuert. folglich hat das, was wir heute bewirken, was wir heute bauen oder träumen, tun und schmieden, planen oder schaffen, phantasieren, hassen oder fürchten, gute oder schlechte konsequenzen für unser weiteres leben. weil unsere erinnerung, geprägt durch erziehung und umwelt, gesteuert von ängsten und vorurteilen, ist der wahre herrscher unseres schicksals.

viele menschen sind zu kopflastig und glauben nur den vorgegebenen zahlen, daten und fakten und vergessen auf die emotionale ebene. sie vertrauen blind jeder fremdkontrolle, an das was ihnen von der welt des geldes und der macht vorgegaukelt wird. viele menschen behaupten, alles was ich nicht sehen und be-greifen, berechnen und belegen kann, existiert nicht. wenn der kopf zu viel die regentschaft übernimmt, dann kommen verordnungen daher, welche plötzlich vorschrieben, wie die krümmung der gurken zu sein hat, ohne darüber nachzudenken, welchen sinn das ganze brächte. dabei weiß das bauchhirn sehr wohl, was richtig und falsch ist. es weiß ganz sicher, was gut und was schlecht ist, aber wenn wir nicht auf es hören, wen wir taub sind, auf die zurufe des gewissens, dann hat das weitreichende folgen, das hat schon ikarus am eigenen leib zu spüren bekommen.

da war einmal ein mann, so um die dreißig, der war vom leben total enttäuscht, weil er dachte, alle anderen menschen hätten es besser erwischt als er. er müsse überall warten und würde ständig zurückgewiesen. er hätte anerkennung und aufmerksamkeit verdient aber sein beruf sei schlecht bezahlt. am besten wäre, so dachte er, überhaupt nicht geboren zu werden und so suchte er für seine situation einen schuldigen. der mann war das produkt seiner gedanken und so fand er den schuldigen in seinem längst verstorbenen großvater und er beschloß, mittels eines magiers, in die vergangenheit zu reisen, um seinen großvater zu töten. der magier sagte, ich warne dich. wenn du das tust, bist du auch ein toter mann und es ist, als hättest du nie gelebt. das gibt es nicht, rief der mann, blind vor verzweiflung. ich lebe doch. ich leide wie ein hund und alle welt ist gegen mich. ich muß meinen großvater töten, weil er hat meinen vater gezeugt und dieser mich. er ist schuld, dass ich lebe, also soll er dafür sterben.

du armer mensch, seufzte der magier. wenn du das tun willst, bist du selber auch nie gewesen. und wenn du nie gewesen bist, kannst du deinen großvater nicht töten, verstehst du das nicht? was soll ich sonst tun, rief der hilflose mensch. jemand muß doch schuld sein, an meinem elend auf dieser welt. da lächelte der magier gütig und meinte: stelle dich vor einen see und blicke hinein. da schaut dich dein schlimmster feind auf dieser welt an. komm, fasse zuversicht und mache ihn dir zu deinem treuen gefährten und schließe freundschaft mit ihm. nur er kann dir helfen. fange bei dir selber an. du bist was du denkst und nur du selber kannst dir helfen, indem du die schuld nicht bei wem anderen suchst. gehe hin, und öffne deine augen für den nächsten, öffne deine sinne für die welt und weite deine seele für das jetzt und hier. du wirst erkennen, daß du reich bist, daß du ein sieger bist, wenn du siegen willst, und daß du ein glücklicher sein wirst, wenn du glücklich sein willst. gehe und warte nicht auf die anderen. verweile nicht im gestern und bade dich nicht ein deinem selbstmitleid. nimm, was dem leben eigen und gib, was gott gehört. vertraue auf dich, dann wirst auch du bald das lied deines herzens singen.

dann verließ der mann den magier und irrte ziellos herum. er wußte nicht wohin und er wußte nicht wann und er wußte nicht wie und nicht warum und nicht was. da dachte er, der magier hat gesagt ich bin reich. wie kann er so etwas behaupten, wo er mich doch gar nicht kennt. ich bin ein versager, denn ich habe kein haus, kein auto, kein unternehmen. ich habe kein teures auto, wohne nicht am rosenhügel und bin kein frauenheld. ich habe auch keine familie und keine kinder und meine freunde sind alle wie ich. wenn ich doch geld hätte, womit ich mir so vieles kaufen könnte, aber fehlt es auch ganz arg. da erkannt er plötzlich, dass alles wie eine augenbinde von seiner wahrnehmung abfiel und er stand da und stammelte. ich gehe durch die stadt, und euro habe ich keine. da sehe ich eine junge frau, aber sie hat keine beine.

 

©joschi, juni 2013

 

kassandra – oda scheni griass aus „plastika“

glochdd houms, und gschbodd houms iwa sie. hinddarux houms des weiwaleid ausgrichdd und en vogö houms ia zoagdd. jo mei, sie hods hoid ned leichdd ghod, de segadi va troja, de eana en unddagoung vorausxogdd hod. af a oadd und weise woa de kassandra a oami haut. sie hod se ia lebdda schou wos midgmochdd, waö es woa ia aufxezzdd, dass sochan siagdd, de nedda sie siagdd und dass va umadum des unhaö gschbiad in iara sä. nedda neamdd hod ia a ghear und an glaubm gschengdd.

dawaö wahs a göddlichs wesn gween. und waös a so a feschs und eamsämddigs leit woa, hiaz hod ia da apollon de kunzdd da weissogung gschengdd, in da hoffnung, das sie eam dafia sei liab eawidad, waö ea is hoiwegs auf sie gschdounddn. owa de kassandra hod den hallodri duachschaud, das da apollon hindda jedn kiddl hea is und hod den schiazznjaga schdeh lossn. aus schmoch und bizzl hoda dafia de kassandra vafluachdd, auf das ia neamdd den schmoan va iari weissogungen glaubdd. dea fluach woa so machddi und de leit houm ia en vogö zoagdd und se va ia ohgwendd, wouns wo a woarnung fia eana ghod hod. sie hod des gounzi unhaö va de wäd xeng, owa da pöwö hod nedda schbodd, schimpf und gschroa fia sie iwaghod.

so is wia iwaroi in vagoungenheid und gegnwardd, da reini augnbligg voi bedriabnis iwa de menschlichn begehrlichkeiddn. und es gwingd zwischn tog und nochdd und obndrod und morgnsunn de meara zeit de giea noch mea und nu mea und aus schbü wiad ernst. do wean mundda de meeare ausgfischdd und an hauffm lewads zeig midgfoungd, des hoid so en de foungnezza zruggbleibdd, wos owa neamdd essn kou und hi wiad. do wiad de lufdd vapessd, mid obgase va de fabriggn und va de millionen va autos und af daöfö kim aussa haöfddi gifdd in d lufdd aussiblosn, so dass se eachddaweis de leit nedda nu mid schdaubmasggn foadd geh draun, waös ounxd houm, dass sunzdd daschdiggan.

en pazifischen ozean treibd zwischn kalifornien und hawai da kontinent „plastika“ afm meea. ea is so ubandi groß, das se des mia menschn mid unsan vakümmaddn umwädgwissn iwahaubbd ned fiaschdön kinnan. plastika is ebba so gros wia indien, oiso guad dreikommaviea millionen quadratkilometa und beschdehd aus plastik jeda oadd und form. a giganddischa hauffm, dea nia dafaöd oda se sunzdd auflösd, sondan duach de schdröhmung van meea in an riesign wüawö, an deara schdö dawaö nu aufm säbm fleg, in groas drahd und plastik aufnimmd, wos da mensch ins meea schmeissd. ma siagdd plastika van fliega aus und sogoa van wädraum draussn iss zan seng. dawaö hoidd de wüawöschdrömung van meea des xaggarad oiss zoum, owa wea woass? wehe, woun des gschbü amoi roasad wiad und af a küsddn zuwakimd. nou bfiadd mi good scheni gegndd.

fü weadn hiaz sogn, va den hou i nia wos gwissd und des is so weid weg und des gehd mi eiganddli nix ou. des schdimmd, owa nedda zua häfddi. am easchddn blick gehds uns nix ou, des is schou richddi, owa am zweiddn blick gehds uns seawoi wos ou, waö mia houm nedda oa wäd und oa eardn und oa lufdd und oa wossa. und da oundari sogdd, wiaso soid i mia a solarounlog afs heisl auffi mocha, woun des deira is ois des wossa im boila oda hoazzung mid schdrohm, gas oda öl aufzhoazzn? des rechnd se ned? des kimd z dei! owa a ualaub im iaganddwo oda a moddoaradl oda a cabrio oda sunzdd an konsum-schmafu, des is ned z dei? i woass, es hoasdd en da ilias van homer: wem de gödda schdroffm, den schlogns mid blindheid! und des is seid da mensch af deara wäd lebdd, nu nia ned oundas gween. so wiad weida unsa wäd vagifdd, vaschandld und en abgrund gschdiazdd weadn, bis dass ia amoi zfü wiad. oam schaun ma aus. trauri is des. zan schouma oamsäli und ölendi is des. und fuachddboa tragisch.

 

©joschi, juni 2013

 

summazeit

godseidoung is da windda voabei. de gounzn näwötag und de gounzn windnachdd hand endling dahie und de sunn kimd wieda zuwa af d nahad und hod en schnee weggschleggd, in schdod und lound. mei heazschlog dounzdd midn friahling duachn goaddn und a linds lifddl schdrahd schbozn und moasn in mei gachdl und eana xangö fliagdd ban fensdda eina.

diaf en toi drundd do brodld de schdod. do treibt de uha de fuassgänga duach de schdrassn und de auddofohara aussi va da schdod oda eini en schdau. a so a schdod hod schou wos drawigs und hektischs in iha und i bi oiwaö hundsmiad, woun i va doadd hoamkim und woun i ned unbedingdd in d schdod owi muass, so fähds ma ned wiaggli. des xuamad und sausn, des nia aufhead. des liachdd, wos de nochdd zan tog mochdd. da krawaö und da gschdoung dazua. na bfiaddmigood scheni gegndd, do bi i liawa a weng oidfadarisch und rea midn wind und sing mid de vögö und tounz midn lauwad und gfrei mi iwa de frische lufdd.

und trotzdem ghead des, wos oan ned so gfoid, a zan lebm dazua und a woun ma glaubdd, des oiss mochdd des kraut a ned fedd, so is jeda tog, a tog, den ma dalebdd hod und de zeit kimmd nimma zrugg. ned ums varegga und ned um fü gäd da wäd. hiaz dalebm mia grod des afblian in da naddua. ole tog gibdds a neichs wunda und obwoi mas schou so ofdd dalebdd houm, iss oi joha wieda a earlebnis, woun da frühling ins lound ziagdd. niada tog is a morgengabe, a gschengg van lebm an uns und fia unsa zeit, do af da wäd. du mogsd de uha aufhoidn, owa du kounsd de zeit ned aufhoidn. so iss. vagiss`s.

schleini zaöd se oa tog an den oundan drou und ma wiad öda und öda, owa säddn nedda a bissl gscheida. dabei gibdds in da lebmsschui frei oi tog a briafung und wounsdd ned grichdd bisd, fliaxdd af d babbm. da mensch is a jaga und soummla und oa soummöleidenschofd houm mia menschn oile midanound. mia soummön eafoharung. davou kinnan mia ned gmua griang und oans is gwies sicha: so oid mogsd ned wean, dassd af d nochdd ned gscheida bist ois in da fria. und grod de schbroch, sie is a messa, a schdegga. sie is boisoum und gift und sie is a woffm und a haömiddl und schdroff und ealösung z glei. es kimd drauf ou, ois wos mas eisezzd. waö de wördda, de ma fia a dischgua benuzdd, de kemman nimma zrugg, hands amoi ausn maö draussn. ob windda oda summa, tog oda nochdd, eahli oda foisch. des hiarn is de eardn und de schbroch is de schaufö.

dawaö vagehd de zeit in oana dua und minuddn um minuddn tropft ins meea da ewigkeit. de rechddi lebmskunst is des, deng i ma, das ma a gschbia dafia griagdd, woun wos gmochdd kead, woun wos xogdd wean muas und woun wos umasunzdd is. waö es gibt oa gsezz, des güdd fia oiss, und sogdd, es gibt koa wiedaholung fia a gelegenheid, de ma vasamd hod. fü leit glaubm, des moch i amoi, woun i in da pension bi, oda woun de kinda greoss hand, oda wos woas da guga. owa de zeit rennd dahie und frissd ois zoum mid ian dahungaddn maö. dawaö varennd de zeit und de aussicht is moang schou a oundari, ois heit und hiaz. oiso, af wos woaddsd den nu? do is da beag und do obm is da gübbfö und da lengsddi weg foungd midn easchddn schriad ou. oiso oiss guadi und fü gligg und a schens wedda, goi. und woadd ned loung und schau ned zrugg und mochs guad.

©joschi, mai 2013

 

das fieber (frei nach einer jiddischen anekdote)

im universum gibt es milliarden von welten und abermilliarden von sonnen. es ist ein unermeßlich großer organismus, angetrieben von einer unbekannten energie, die wir gott oder geist, schöpfer oder könig, höhere odnung oder wie der dalai-lama, ozean der weisheit, nennen. die galaxien schwimmen wie geheimnisvolle inseln im meer der unendlichkeit, weil niemand weiß, wo diese unendlichkeit anfängt und wo sie aufhören muß. und was ist dann? was ist hinter der unendlichkeit? beginnt dort an jener grenze das nichts? aber was ist das nichts? in diesem fall ist es auch was reales, denn alles was wir benennen können, sagt wittgenstein, das existiert auch. nun, ich schweife ab und möchte nicht einzig in der frage aller fragen verfransen, gibt es irgendwo leben da draußen?

ich möchte die frage anhand einer kleinen geschichte zu beantworten versuchen. sie beruht auf einer surrealen jiddischen anekdote und lehrt uns recht drastisch, wie unwichtig und nichtig unsere existenz im allumfassenden plan der schöpfung ist. der mensch behauptet zwar mit hartnäckigkeit von sich, daß er und nur er, der sogenannte homo sapiens sapiens, der weise mensch, die krone der schöpfung sei. aber ist er nicht auch der größte tyrann und der verwerflichste zerstörer? diese selbsternannte vollendung der schöpfung ist auf diesem planeten der gewissenloseste räuber und plünderer, mörder und wegelagerer, brandstifter und schädling. er ist eine erkrankung, von dem das raumschiff erde befallen wurde.

im universum sind sich einmal in einer fernen galaxis, mit einer gesamtgröße von zweihundert milliarden sonnenmassen, zwei ihrer unzähligen namenlosen planeten begegnet. der eine planet strahlte nur so vor gesundheit und war heiter und frohen mutes. er hatte eine saubere atmosphäre und glasklare bäche und seen, flüsse und meere. in den gewässern tummelten sich fische, durch die lüfte flogen vögel und alle tiere an land und zu wasser hatten genug gesunde nahrung. im boden, frei von schwermetallen, krochen allerhand käfer und gewürm und die vegetation war üppig und saftig und strotzte vor lebendigkeit und vitalität.

der andere planet stank nach auto- und industrieabgasen. seine meere wurden fast leergefischt, die böden ausgelaugt und die flüsse verdreckt. der planet war überzogen mit straßen und schienen und riesige städte wucherten wie geschwüre und metastasen. der planet atmete schwer und wurde von ständigem reizhusten gequält. dann bekam er monatelang schüttelfrost und gleich darauf massive fieberschübe und die hitze trieb den geschöpfen, die auf dem kranken planeten lebten, den schweiß auf die stirne. flüsse trockneten aus und ganze landstriche verdorrten. der kranke planet war seit den immer heftiger werdenden hustenanfällen fast am ersticken, da frug ihn mittleidig der gesunde planet, was er den für eine böse krankheit habe? da meinte der kranke planet mit zitternder stimme: ich - ich habe homo sapiens und bin sterbenskrank. diese milliarden quälgeister bringen mich noch um. wenn mir niemand zu hilfe kommt, werde ich sterben und mein einziger trost wird sein, meine peiniger gehen in alle ewigkeit mit mir zu grunde.

da lachte der gesunde planet aus voller kraft und meinte zu seinem kranken artgenossen. was...? du hast homo sapiens? und wegen dem machst du so ein theater! na wenn es nichts schlimmeres ist, als diese kinderkrankheit. jetzt mache dir einmal keine sorgen, mein freund, tröstete der gesunde planet die kranke erde. das wird schon wieder. homo sapiens zu haben, ist zwar höchst unangenehm, aber es ist nicht schlimm. das hatte ich auch einmal, das geht vorbei.

©joschi, mai 2013

 

a gschicht, de nia aufhead

„...jo so is de wäd so greos und schee und voi mid sunnaschei...“ so valoggd uns da text va an liad aus da kindazeid, damid ma ned vagissd, wia hoamli und gschmoh, zumindesdd mei kindheit, de meara zeit woa. meingod wos bi i fia a woasarl gween. oafoch nedda a biawö, ohne obsicht und list. i woa domois schou dea, dea i heid nu bi. eardi – oafoch i säm. nedda heid woas i ums gschbian mea und kenn mea und hou mea ghead und xeng iwa d joa. fü mea ois in mein wädbüd bloz ghod hod und i hob so mounch frisch eipflounzddi sezzling da freindschofdd und haöfddi pflanzln meina grodheit und en klee da valässlichkeit iawandd in meina vadriggan xeng und i hou nix doa kinna dagegn, waö mei lebm hod des afm weg fia mi so beschdimmd.

waö de universität des lebms kennd koa gnod und es gibdd ned oa oanzige nochhüfeschdund in menschlichkeit und midgfüh. weas ned begreift wias oaman ausdeidd wiad, wia des schbü van gebm und nehma gehd, dea kimd hinddaus und de zeit foad driwa mid iarn dearbm maö und so mouncha mensch hod se va laudda gschduari nimma zoumklaubm meng und hod se in seini foischn tram dahengdd. dawaö wah oiss nu goa ned so dramaddisch, woun se da oanzelne ned so fuachddboa wichddi nahm und moand, de wäd drahd se nedda um seina.

owa a gerechddikeid gibdds nedda in da hö und in hümmö gibdds a godsgnood, sogdd da voiggsmund. dafia gibdds af deara wäd oiss, wos godd vaboddn hod, waö des wos ma ned deaf, des is jo des reizvolle, valoggende und betörende fia de neidgenossnschofdd. fia de nemlichn gibdds, so scheind ma, nix schenas, ois woun oana mid a bissl an eafoig a weng heabremsdd wiad, waö wo kemman ma den do hie, dea wuadd wos und mia ned? ma kennad ea nix ou, owa ma gschbiads, das do wos is, wos friara ned woa. es riad se neamdd mea, aussa du rennsd udoungs oan iwan weg.

so kennsd de vahindara und blockiera wia de schwoazzn schof va da weidn aus da herde aussa. waö „...neid...! sogdd da wilhelm busch, „...ist die höchste form der anerkennung...!“ es gibt so fü en weg schdeha, bessawissa und midläufa. es gibdd so fü vahindara, eifara und heuchla, de ned vaschdengan, das a bissl talent nu loung ned fia an eafoig gleggd. oda waö a mensch moand, dasa wea is, nedda waö ea wos is, und hiaz is a sei oawad bessa ois va an oundan menschn, dea nix is, aussa sich säwa und seina oawad gnedi. a deiddlicha schbruch, a volksweisheit bringt de gschicht nemli afm punkt: „...ohne arbeit früh bis spät, mag dir nichts geraten – neid sieht nur das blumenbeet, aber nie den spaten...! jo so is de wäd so greos und schee und voi mid sunnaschei...

©joschi, april 2013

 

das orchester

auf der bühne des alltags spielt das orchester des lebens. tag und nacht wird musiziert und alle musikinstrumente sind vertreten. die lauten und die leisen, die hohen und die tiefen, die gewöhnlichen und die edlen. ebenso die verstimmten und jene mit wohlklang. auf der bühne des alltags erklingen die melodien der freude und die weisen der liebe, es dröhnen aber auch die fanfahren zum kampf und die märsche der macht. es erschallen die sonaten der güte, die menuette der freiheit und die lieder der freundschaft. aber es schluchzen auch die klagelieder der angst, die elegien der zweifel. es donnern die trommeln des zorns und es wirbelt das getöse des widerstands.

jeder mensch spielt in diesem orchester mehr oder weniger gut mit. die einen üben tagtäglich und versuchen mit fleiß und ehrgeiz ihre partitur zu erlernen. die anderen spielen vom blatt. so, als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. wieder andere üben und üben, aber es will nicht harmonisch klingen, bis sie es verzweifelt auf einem anderen instrument versuchen und in diesem wort steckt die wahrheit. dieses versuchen ist ein suchen nach dem richtigen instrument. manche wähnen sich besonders schlau, und tun nur so als ob sie musizierten und geben vor, zu den besten zu gehören. dann kommt einmal eine satzprobe, bei der ein jeder alleine seine melodie vorspielen muß und schon wird das elend sichtbar und hörbar.

manche menschen finden ihr instrument mit leichtigkeit und auf anhieb. wieder andere können sich nicht entscheiden, auf welchem instrument sie die musik ihres lebens spielen möchten. die klänge reihum sind zu verlockend, als sich auf ein instrument zu konzentrieren. wieder andere wissen ganz genau, welches instrumet sie beherrschen möchten, aber sie dürfen es nicht lernen, weil es ihr schicksal so befiehlt. weil sie in eine welt hineingeboren wurden, die von fremdbestimmung und armut besiegelt ist und kein mensch den anfang machen kann, das orchester der demokratie zu gründen, in dem jeder das instrument spielen darf, das zu ihm paßt und seinem naturell am nächsten ist.

deshalb muß jeder mensch auf seinem ihm ebenbürtigen instrument des schicksals die melodie des lebens spielen. und das so gut und so fehlerfrei als möglich und wer nicht improvisieren kann, muß nach den noten spielen, die ihm auferlegt werden. spiele, du mensch. denn je mehr und je fleißiger du spielst, desto besser wird dein klang und dein rhythmus. setze dich ein, im orchester des ganzen und spiele ohne allüren und hintergedanken deine partitur. und bist du im chor der menschheit nur die begleitmusik in einem großen ganzen. bedenke, auch die begleitmusik ist wichtig für den harmonischen klang und die feinen töne und klänge geben dem chor erst die fülle der einzigartigkeit.

so spielt jeder mensch seine ureigene symphonie auf den instrumenten der schöpfung. die einen lauschen, die anderen schütteln darüber den kopf. vermag es auch nicht immer harmonisch klingen, so ist es die musik unserer zeit, mit der wir unsere tage und nächte zu dem machen, was wir uns unter unserem leben vorstellen. und jeder tag ist eine premiere, also verschwende keine zeit, sondern stimme ein und gib dein solo zum besten. auf dass die übung gelingen möge.

©joschi, april 2013

 

herrschen

ein schönes wort, oder ein schreckliches wort? ein lustvolles wort, oder ein leidvolles wort, das unsere vorstellungskraft überfordert. in diesem wort steckt unglaublich viel macht, gewalt und geltung, ansehen und einfluß, autorität und hiflosigkeit, wofür dieses wort selber nichts dafür kann, es ist ja nur ein wort. sonst nichts. oder ist es doch nicht so einfach? gemäß duden ist es nur ein schwaches verb, aber das ist blos seine tarnung, um uns zu täuschen. dieses wort hat es in sich und wer sich seine bedeutung vergegenwärtigt, ist entweder bald schockiert und betroffen, wie seine wirkung einen von diesem wort befallenen menschen verändert und manipuliert, oder er ist von dieser metamorphose fasziniert, um sich ebenfalls seiner berauschenden wirkung hinzugeben.

„wenn macht erst wirkt, zeigt bald die hülle, welches herz es birgt…“ heißt es bei william shakespeare. und schon spiegelt sich darin die ganze weltgeschichte. von politik bis religion, in der wirtschaft oder im zwischenmenschlichen. unser tägliches sein ist gepeitscht ist von gewalt und haß, kampf, betrügereien und feindschaft. wer herrscht, hat das bestreben, ein herr zu sein, um sich damit über andere zu stellen. ab da beginnt das herrschen. jede epoche lehrt uns die bittere erkenntnis, wer mit der macht anbandelt, um sich mit ihr ins bett zu legen, wird sie schwängern und ihre kinder beherrschen alsbald die bühne der welt und treiben ihre narrheiten mit den völkern.

reihum wird gnadenlos geherrscht und am futtertrog der macht waltet das gesetz der willkür. da wird selten hinterfragt, was gut und was schlecht ist und es verschieben sich die wertigkeiten. aber das schicksal fordert das weizenkorn des lebens, ohne zu bitten und zu fragen, am ende der tage von jedem einzelnen wieder zurück. es ist alles nur geliehen, egal ob arm oder reich, bedeutend oder bedeutungslos. da hilft keine kammer voll gold, weil der letzte anzug keine taschen hat, lehrt ein weises sprichwort. aber in den finsteren ortschaften horten die herrschenden in ihren hamsterbacken das gold der sonne, derweil zerreißt es ein schuldenbett um das andere. die ganzen träume spült das leben als flaschenpost an den rand der tage und die zinsen verblühen und verwelken in den litaneien der börsen.

es herrscht die habgier und täglich erreichen uns die meldungen vom plötzlichen kindstod, im wettstreit um den zauber der zinsen. an den tankstellen der macht geht der himmel mit der hölle schlafen und die jungen, aus dem schoß der nacht geboren, wissen nicht was sie tun sollen, wenn der nordwind heult und die friedenstauben verhungern in ihrer gottverlassenen welt. aber dieser tanz ist noch älter als babel (christine lavant) und erst wenn du erkennst, dass du den acker deines lebens mit freude bearbeiten sollst und einzig mit deiner liebe düngst, wirst du nicht mehr jedem dahergelaufenen irrlicht nacheifern, sondern die mondphasen deiner tage als geschenk annehmen.

©joschi, april 2013

 

eigfoungd

schleini vagengan de tag und legn se ins bedd da earinnarung, bis de duchad da joa iaganddwoun oiss zuahüd und zuadeggd und va de zechan bis zua nosnschbizzn des fiawa da ounxdd de ganslhaut iwan bugö jogdd. solounxdd nu denga und rechna, midzöhn und gschbian moxd, faöd se nix, owa schau ned z loung und valoss di ned af moang, waö des hod schou eddla leit drougriaggd, mid eanan blauaugaddn glaubm und dawaös nu babb sogn houm kina, is eana s xichdd eigschloffm oda d haut ban oasch zweng woan, so dass neamdd glaubd hed, dass ausgrechnd den oda de sewige dawischn mog, waö oiss kou ma se iaganddwia richddn, nedda ned de zeid zan umischdeh. aussa du drahsd säwa de hiddn zua.

zeaschdd groasn de zoagan da lebmsuha, wia woun nix wah und ois woun nia wos sei kundd. owa iawazua daschiassd s lebm oan aus da nobbanschofdd oda va de freind und bekounddn und du denxdd dia, nujo, de gschüzza keman oiwaö nahada und de schuss dreffm oiwaö genaua und mid da zeid wiad de gounzi jogdd zua gwenad. owa so oafoch is des ned, waö en de nachdd kimd en tram da geisdd va da ewikeid und seisld dia handdi fia, wos fia fäla dassd hosd und das des gäd drendd ned güdd, waö ea siagdd oiss und kennd koan hoagö, wos unsani fäla bedriaffd. und des deischn und drixn zöhd amoi ned, wouns da sä hamisch z eng wiad en deina. wounsdd dei zeid, de hindda deina schdehd und zeignis iwa di ohgibdd, voa deina siaxdd und duri des tiarl, des du voa dia heagschobm hosd, zan duari-geh hosd.

iawandd leidd a gloggn, ois mechdds oan dawegga van schlof da gleichgülddikeit. damid ma mundda wiad und wia a offmboarung iwa oaman kimd, damid ma easchdd siagdd, wos wichddi und richddi is, wos gwichddi und nichddi is, fia de tag, de ois goignfrisdd nu bleibm bis zan zuadrah. oi tog wiad de frist valengad und mia moanan, es gehd oiwaö so gschleechd hifia und de wäd draht se nedda um unsan bfoachddl. owa de gloggn leidd und ma is ned zan daminddan und ma tramd en sein schlof dahie und dawaö is schbeaschdund. feiroumdd. schluss aus und ende. und nix hosdd ausgricht. und mid nix bisdd feadi woan, und aussa oana diggn haut woxn lossn, hosdd nix gleand. af da roas, va do bis doadd umi.

©joschi, märz 2013

 

hiaz

planung ist die halbe arbeit. schön und gut. aber wer reicht dann der spontaneität die hand? wer läßt sich in unserer verplanten zeit noch auf sie ein und läßt sich von ihr wie ein blinder durch die stadt der phantasie und durch das land der intuition führen? genau die intuition nämlich, die aus dem bauch heraus weiß, wie die welt für uns am besten funktioniert und wie wir am geschicktesten durch die kasematten des alltags kommen. es liegt an uns, welche ziele und warum wir unsere ziele verwirklichen können und es liegt nur an uns, dass wir sie auch zu vollenden vermögen.

carpe diem, riet schon der römische dichter horaz seinen zeitgenossen. verweilt nicht im gestern und plant nicht zu weit im voraus. „nütze den tag“, oder pflücke den tag, wie es überall geschrieben steht. verheddere dich nicht in dem was war, und fürchte dich nicht vor dem was kommt. es heißt auch in der schrift: „suchet, und ihr werdet finden. bittet, und es wird euch gegeben werden. klopfet an, und es wird euch aufgetan“ (Matthäus. 7/ 7)

ja was soll denn dieses alte geschwätz schon wieder heißen, wird sich vielleicht so manch moderner zeitgenosse über meine rückständigkeit erdreisten. ja lästert nur, ihr unwissenden und unbelehrbaren. ihr, die ihr euch einzig über das kapital, die macht und euer „cash“ definiert und gedenkt, nur durch diese nicht begreifbaren milliarden die welt erklärten zu können. ich höre das verlockende gesäusel, wenn du das oder dies machst, so bekommst du am ende dieses oder jenes. frei nach dem motto, wenn du jeden tag betest und mehr gibst als du nimmst, so ist dir dein seelenheil so gut wie sicher. das kommt uns doch alle bekannt vor.

wer ist nun im besitze der wahrheit? es gibt immer einen der recht hat und jemanden der täuscht, uns blenden, kaufen, salopp gesagt einkochen will. die wahre lebenskunst ist, diese heuchlerische fassade zu erkennen. wir alle sind einmal täter und dann das opfer. uns allen ist fast immer das hemd näher als der rock und wenn es ums eingemachte, ums geld, um „d sach“ geht, da sind wir menschen nicht zimperlich. derweil eilen die stunden.

in goethes faust ist darüber nachzulesen: „...wenn dann die feierglocken schallen/ dann bist du deinen wünschen frei/ die uhr bleibt stehn/ die zeiger fallen/ dann ist die zeit dahin/ vorbei...“ und bei shakespeare steht geschrieben: „...nicht in die ferne flüchte dich/ den augenblick ergreife/ nur er ist dein...“ es gibt immer jemanden, der bessere aussichten hat, oder sich im besitz besserer karten wähnt. und es gibt immer jemanden, der das glück zum kampf herausfordert und, wie siegfried, sich am ende geschlagen geben muß. wer kann es vorher wissen? haben wirklich die dümmsten bauern die größten erdäpfeln? sind am ende wirklich die naiven jene, die reinen herzens sind? die nicht nach allem schielen, sondern nur ihr ziel vor augen haben, wie dereinst odysseus, als er nach jahrelanger irrfahrt zu seiner penelope zurückfand.

in diesem sinne: eine schöne zeit und viel freude und gutes gelingen bei deinen taten. warte nicht auf morgen, auf später, auf besseres wetter oder was weiß der kuckuck. hoffe nicht auf die reiche tante, oder auf das glück im lotto, oder auf sonst mannigfaltig vielversprechende gewinnaussichten? udo jürgens singt aus überzeugung: „...heute beginnt der rest deines lebens...“ alles andere ist windhauch, (kohelet). und anthonie de saint exuperie schrieb: „...nur mit dem herzen siehst du gut. das wesentliche ist für das auge unsichtbar...“ abermillionen menschen haben schon aus gier und falschen träumen gut und geld verloren, oder mehr als sie besaßen. mache nicht denselben fehler, wenn du dir über die folgen nicht im klaren bist.

©joschi, märz 2013

 

digital - anorganisch

hiaz grod hob i mi za mein schreibknechdd xizdd und globbf eam auf de tasddn. oafoch so, wia woun i auddomaddisch schreibad, ohne das i fü driwa nochdeng, wos i do schreib. nedda so wias kimmd. owa schou boid umfoungd mi a wäd, so das se meini gedanga in mein hirn nedda nu en groas drahn. de gedanga zinddn blizoaddig duach mein kobf und es dauad efdda goaned loung, oa zwoa schreibzaön vialeichdd, oda drei, und de schbroch rinnd wia s bluad hea aus mia, ois woun i mi ban fruaschdugg in finga gfäggöd hed.

efdda hüfdd ma a des eidaucha in mein wörddateich, den i gesddan gbaud hob. do schbring i eini in de schwö va gesddan und bodd mi a neichddl drinn, tauch undda und wosch mi owi mid dea gschichdd van voatog, damid i noch ia riach, fei schmegg oda schding. je noch dem, wos fia an gschmoh de gschichdd iwa d nochdd griaggd hod. owa i hob koan zeddl mea voa meina ling, wo i händisch drauf schreib. i dibb oiss glei in mein schreibknechdd eini. fuada eam gedounggn um gedounggn, wordd fia wordd und soz fia soz. und ea frissd des fuada va mia und lossd nix schein, das eam des wos i eam einidibb, ned gfollad oda schmeggad. mei schreibknechdd is ned hoagli, des is a allesfressa, a richddige sau, wouns ougrodd.

es is eam wuaschdd, ob i „sunn und freid“ schreib. ob i „gligg und liab oda herz oda godd“ schreib. es is eam oading ob i „oasch“ schreib, oda „scheise“, oda „dea droddl“, oda „...de kanaöli hods neod, dass ia babbm aufreissd...“ mein schreibknechdd is des wuaschdd. ea kennd koa lodeinisches schbrichwordd des af hochdeitsch hoassd: „buchstaben und wörter erröten nicht...!“ afs schouma isa ned dressiad. des kennda ned. af des hod eam neamdd ohgrichdd. ea is koid und ohne gfüh und gschbia. ea is ohne ounxdd und freid. ea liabdd ned und ea is a neamdd feind. ea is gounz oundas ois mia menschn. ea is a maschin, wia a telefon oda a schdaubsauga. drum isa a nedda so gscheid oda genauso bled ois sei nuzza. ea is nedda sei schbiagöbüd va eam, sunzdd nix.

©joschi, märz 2013

 

des künsddliche liachdd

es is a oide weisheid, das a schens liachdd ollahound fladdahofdds zeig ouloggd. muggn, gössn, unscheinboari foidda und kefarln suachan zui za da liachddquän und dounzzn umadum, waös glaubm, des is d sunn, mid ian glounz und iara gounzzn hearrlichkeid.

und sogoa da unscheinboarsdde foidda foungd in deara foischn sunn a weng zan glounzzn ou und des viecharl loggd oundari unscheinboari viecharl ou und se dounzzn und taumön in den liachddkögö umadum, ois gabs nedda des oani liachdd. de gblenddn wesn meaggan goaned, das des a foissch` liachdd is, a unechdds liachdd nemli. gounz ohne krofdd und geisdd. de vablenddn viecha gauggön um de loumbbm uma, bis dass easchöbbfd ohschdiazzn oda se ban hoassn scheinweaffaglasl de fliagln vabrennan.

de tag hob i an mou xeng. daheakema isa wia a goggl. afgmascharld, van solarium vabrennd, d hoa mid gifdd ausgbloachdd. af jedn finga hoda a boa ring` ghod und an prozzign schborddwogn hoda gfoarn. nebm eam hoda a rassigs kazzl mid silikonbusn und aufgschbrizzde libbm ghod.

wiaso is wea so vablendd, dasa moand, ohne den grafföwea und flungga umadum isa koa mensch? wiaso is wea so blind fia des wos wiaggli zöhd? iss des gäd, iss de mochdd? iss de giea noch nu mea, oda iss da schdoizz? i hed eam gean de augn aufgmochdd, owa dawaö is ea mid winsladii roaffm wegraddiad und i hou ma dengdd: du oama hund! du oamsäligs wiaschddl! muasdd di am end dei lebbda mid sochan owiraffm, de umasunzdd hand? muasdd umagauggön, um de loumbbm. vablendd. bis di des foische liachdd mid oan biss frissd?

©joschi, märz 2013